Zeit 28.11.2025
13:26 Uhr

Anschläge auf Gaspipelines: Nord-Stream-Verdächtiger kommt nach Auslieferung in Untersuchungshaft


Gegen einen verdächtigen Ukrainer der Nord-Stream-Anschläge wurde Haftbefehl erlassen. Er war nach langem Ringen von Italien nach Deutschland ausgeliefert worden.

Anschläge auf Gaspipelines: Nord-Stream-Verdächtiger kommt nach Auslieferung in Untersuchungshaft
Nach seiner Auslieferung aus Italien ist einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Nord-Stream-Anschläge in Deutschland in Untersuchungshaft gekommen. Ein Ermittlungsrichter in Karlsruhe des Bundesgerichtshofs erließ Haftbefehl gegen den Ukrainer, wie eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte. Wohin der Verdächtige nun gebracht wird, ist unklar. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann unter anderem das gemeinschaftliche Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und verfassungsfeindliche Sabotage vor. Er soll zu der Gruppe gehören, die im September 2022 Sprengsätze an den Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee platzierte. Demnach war er einer der Koordinatoren der Operation. Der Verdächtige bestreitet die Vorwürfe. Am Donnerstag hatte Italien den Ukrainer an die deutschen Behörden übergeben, er wurde mit dem Hubschrauber nach Karlsruhe gebracht, nachdem Italiens Oberstes Gericht die Auslieferung erlaubt hatte. Ende August war der 49-Jährige an der Adria-Küste im Urlaub mit seiner Familie gefasst worden. Er wehrte sich gegen seine Auslieferung an Deutschland. Anschläge auf russische Gaslieferungen Im Herbst 2022 hatte es mehrere Anschläge auf das frühere deutsch-russische Prestigeprojekt. Sprengungen in der Nähe der dänischen Ostseeinsel Bornholm beschädigten die beiden Pipelines, sodass kein Gas mehr durchgeleitet werden konnte. Durch Nord Stream 1 wurde zuvor russisches Erdgas nach Deutschland geleitet. Russland hatte die Gaslieferungen über Nord Stream 1 jedoch bereits kurz zuvor gestoppt, mutmaßlich als Reaktion auf die westlichen Sanktionen angesichts des russischen Einmarschs in die Ukraine. Nord Stream 2 war infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine noch nicht in Betrieb genommen worden. Den Ermittlern sollen sieben Menschen für die Anschläge verantwortlich sein, darunter vier Taucher. Sie sollen eine Segeljacht namens Andromeda angemietet haben. Diese sei mit Hilfe gefälschter Ausweispapiere über Mittelsmänner bei einem deutschen Unternehmen gemietet worden. Die Anschläge verschlechterten zwischenzeitlich das Verhältnis der Europäer zur Ukraine, die hinter den Vorfällen vermutet wurde. Bisher wurde niemand verurteilt. Ein weiterer Verdächtiger, der ausgebildete Taucher Wolodymyr Z., wurde 2024 in Polen festgenommen. Ein polnisches Gericht verweigerte allerdings seine Auslieferung nach Deutschland.