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10.02.2026
13:48 Uhr
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Der nach einem Angriff auf einen Zugbegleiter festgenommene Verdächtige fiel kurz vor der Tat durch aggressives Verhalten auf. Die Polizei hatte ihn aus einem TGV geholt.

Der Mann, der einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz am 2. Februar tödlich verletzt haben soll, ist nur wenige Stunden vor der Tat wegen aggressiven Verhaltens von der Polizei aufgegriffen worden. Das teilte die Bundespolizei auf Anfrage der ZEIT mit. Zuvor hatte der Spiegel darüber berichtet . Demnach haben Bundespolizisten den 26-Jährigen am selben Tag um 11.50 Uhr aus einem aus Frankreich kommenden TGV geholt. Zugbegleiter hätten die Behörden alarmiert, weil der Mann im Zug gegen eine Tür getreten habe. Da die Tür unbeschädigt blieb und der Mann einen Fahrschein hatte, gab es für ihn demnach keine strafrechtlichen Folgen. Der Angriff auf den Zugbegleiter ereignete sich um 17.45 Uhr. Der mutmaßliche Täter soll in einem Regionalexpress in der Nähe von Landstuhl bei einer Ticketkontrolle keinen Fahrschein gehabt und deswegen des Zuges verwiesen worden sein. Daraufhin attackierte er den Zugbegleiter, der wenig später an den Verletzungen starb. Der Zugbegleiter , ein 36-jähriger alleinerziehender Vater zweier Kinder, starb laut Staatsanwaltschaft an einer Hirnblutung infolge der Schläge gegen seinen Kopf. Der mutmaßliche Angreifer wurde noch am Bahnhof Landstuhl festgenommen. Bahn-Betriebsräte fordern vor Sicherheitsgipfel Konsequenzen Die Tat sorgte bundesweit für Entsetzen. Die Deutsche Bahn (DB) hat für Freitag einen sogenannten Sicherheitsgipfel angekündigt, an dem auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) teilnehmen will. Auch das Bundesinnenministerium wird bei dem Treffen vertreten. Das Treffen soll Maßnahmen zum Schutz von Bahnmitarbeitern voranbringen, wie etwa eine Pflicht zum Tragen von Körperkameras und mehr Sicherheitspersonal in Zügen. Beteiligt sind auch Bundespolizei, Gewerkschaften und mehrere Verbände. Die Bahn-Betriebsräte fordern im Vorlauf zum Sicherheitsgipfel Konsequenzen aus dem tödlichen Angriff. In einem offenen Brief an den Konzernvorstand und DB-Chefin Evelyn Palla, über den die Süddeutsche Zeitung berichtet, werden insbesondere "verbindliche Mindestbesetzungen" in Zügen verlangt. "Dieser Vorfall ist kein isoliertes, unvorhersehbares Einzelereignis", schreiben die Betriebsräte demnach. "Übergriffe, Bedrohungen und Gewalt gegen Beschäftigte im Zugbegleitdienst sind seit Jahren bekannt." So wenden sich die Betriebsräte dagegen, dass im Regelfall nur noch zwei Personen für einen ICE zuständig sind. Früher seien es drei bis fünf Personen gewesen. An einzelnen Tagen gebe es ICEs mit lediglich einem Zugbegleiter, sodass "Beschäftigte faktisch allein für Betrieb, Service, Kontrolle und den Umgang mit Konfliktsituationen verantwortlich sind", heißt es in dem Schreiben. "Diese Formen faktischer Alleinarbeit sind angesichts der bekannten Gewaltlage nicht hinnehmbar." Weiter fordern die Betriebsräte Körperkameras und eine datenschutzkonforme Kameraüberwachung in den Zügen. Die Bahngewerkschaft GDL bezeichnete die Forderungen als "natürlich nachvollziehbar" und erklärte ihre Unterstützung für die Betriebsräte. Acht Angriffe auf Bahnmitarbeiter pro Tag Im vergangenen Jahr hat es nach Angaben der Deutschen Bahn mehr als 3.000 Angriffe auf Bahnmitarbeiter gegeben – etwa bei Fahrkartenkontrollen und der Durchsetzung des Hausrechts. In den vergangenen Jahren nahm die Zahl der Angriffe, die sich auch gegen Sicherheitskräfte und Reinigungspersonal richten, zu. So ist es am Wochenende erneut zu einem Angriff auf eine Zugbegleiterin gekommen. Ein 21-Jähriger, für den die Zugbegleiterin bei einer Ticketkontrolle wegen fehlenden Fahrscheins eine Fahrpreisnacherhebung ausgestellt hatte, trat in Baden-Württemberg kurz vor dem Halt des Zuges am nächsten Bahnhof laut Zeugenaussagen erneut an die Frau heran, bespuckte sie und versuchte, ihr mit einer Flasche in den Bauch zu schlagen. Anschließend sei er geflüchtet. Die Bundespolizei ermittelt wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung.