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05.02.2026
19:20 Uhr
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Hunderte Menschen haben des getöteten Bahnmitarbeiters Serkan C. in dessen Heimatstadt Ludwigshafen gedacht. Ministerpräsident Schweitzer forderte mehr Zivilcourage.

Anlässlich der Gedenkveranstaltung für den getöteten Zugbegleiter Serkan C. hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dessen Familie sein Mitgefühl ausgesprochen. "Ich kann nur erahnen, welchen Schmerz dieser furchtbare Verlust in Ihrem Leben ausgelöst hat. Ich fühle mit Ihnen", heißt es in einem Brief Steinmeiers, aus dem die Nachrichtenagentur dpa zitiert. "Es vermag Ihre Trauer nicht zu mindern, und dennoch ist es mir wichtig, Ihnen zu versichern, dass Sie in dieser Situation nicht allein sind, sondern zahllose Menschen in Ludwigshafen und ganz Deutschland mit Ihnen trauern", schrieb der Bundespräsident. An der Veranstaltung in Ludwigshafen nahm unter anderem der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) teil. Dort forderte er einen respektvolleren Umgang in der Gesellschaft und mehr Zivilcourage . "Es ist nicht diese Tat, mit der es angefangen hat", sagte Schweitzer beim Totengebet für Serkan C. vor mehr als 1.000 Menschen. "Es fängt an mit der Beleidigung." Oder auch mit der abschätzigen Formulierung am Arbeitsplatz, gegenüber Rettungs- oder Pflegekräften und Zugbegleitern. Tatverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft Serkan C. habe nur seine Arbeit gemacht, sagte Schweitzer weiter. "Er war ein Freund, er war ein Nachbar, er war ein Kollege, er war ein Ludwigshafener", sagte Schweitzer. Er sei auch Vater von Kindern gewesen. "Ich stehe vor Ihnen als Landesvater, aber ich bin auch Vater von Kindern. Und niemand kann sich wirklich vorstellen, was uns jetzt in der Familie begegnet an Trauer, an Verständnislosigkeit, auch an Wut." Der 36-jährige Bahnmitarbeiter war bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalexpress von einem Reisenden ohne gültiges Ticket mit Schlägen gegen den Kopf attackiert worden. Er verlor das Bewusstsein und starb später in einer Klinik an einer Hirnblutung. Gegen den 26-jährigen Tatverdächtigen erging ein Haftbefehl wegen Totschlags. Er sitzt in Untersuchungshaft. Auch die Deutsche Bahn will Konsequenzen aus dem Vorfall ziehen. Konzernchefin Evelyn Palla kündigte einen Sicherheitsgipfel in den nächsten Tagen an. Es sei wichtig, jetzt alle Entscheidungsträger, die für die Sicherheit im Bahnverkehr verantwortlich seien, an einen Tisch zu holen, sagte sie. Eingeladen werden sollten unter anderem Aufgabenträger für den Regionalverkehr, Vertreter der Bundespolitik sowie die Gewerkschaften und die Bundespolizei.