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05.12.2025
16:59 Uhr
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In Tanis haben Forschende 225 Grabfiguren entdeckt und damit ein jahrzehntelanges Rätsel gelöst. Einen vergleichbaren Fund gab es dort zuletzt vor mehr als 100 Jahren.

Ein französisch -ägyptisches Forscherteam hat 225 altägyptische Statuetten aus der Nekropole von Tanis vorgestellt. Einen Fund dieser Größenordnung habe es dort seit 1946 nicht mehr gegeben, sagte der Ägyptologe Frédéric Payraudeau in Paris. Vergleichbare Figuren seien im Tal der Könige bislang nur einmal entdeckt worden, nämlich 1922 im Grab von Pharao Tutanchamun. Die in Fayence gefertigten Figürchen waren kürzlich in einer Grabkammer der königlichen Totenstätte von Osorkon II. entdeckt worden. Anhand ihrer Inschriften konnten die Forschenden einen bislang unbekannten Bestatteten identifizieren: Pharao Scheschonq III., der von etwa 830 bis 791 vor Christus in der 22. Dynastie regierte. Für ihn sei ursprünglich ein anderes Grab in Tanis vorgesehen gewesen, sagte Payraudeau. Der Sarkophag ist seit 1939 bekannt, blieb aber bislang namenlos. Die lange Regierungszeit von Scheschonq III. war von Machtkämpfen geprägt, in denen er sich vor allem im Süden gegen mindestens zwei weitere Herrscher zu behaupten versuchte. In der Totenstätte von Tanis sind ihm mehrere Bauwerke gewidmet, darunter das Portal. Ungewöhnlich hoher Anteil weiblicher Darstellungen Der Fund überraschte die Forschenden auch wegen des ungewöhnlich hohen Anteils weiblicher Darstellungen. Warum fast die Hälfte der Uschebtis Frauen zeigt, ist bislang unklar. Tanis im Nildelta wurde um 1.000 vor Christus gegründet und diente den Pharaonen der 21. und 22. Dynastie als Hauptstadt. Erste Ausgrabungen dort fanden im 19. Jahrhundert statt, das Areal erstreckt sich über 200 Hektar und beherbergt sieben Grabstätten mit teils mehreren Kammern. Ein Archäologenteam brauchte Anfang Oktober zehn Tage, um die sorgsam in einem Grab der Nekropole aufgereihten Statuetten zu bergen.