Zeit 27.02.2026
06:44 Uhr

Afghanistan: Pakistan erklärt Taliban-Regierung "offenen Krieg"


Pakistan macht die Taliban-Regierung für Selbstmordanschläge von Extremisten verantwortlich. In der afghanischen Hauptstadt Kabul waren in der Nacht Explosionen zu hören.

Afghanistan: Pakistan erklärt Taliban-Regierung
Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan eskaliert. Nach neuen gegenseitigen Luftangriffen hat Pakistan der herrschenden Taliban-Regierung in Afghanistan den "offenen Krieg" erklärt. "Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und euch", schrieb der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif am Freitag im Onlinedienst X . In der Nacht griff Pakistans Militär die afghanische Hauptstadt Kabul sowie die Provinzen Kandahar und Paktia an. In Kabul waren Explosionen und Sirenen zu hören. Sicherheitskreisen in Pakistan zufolge handelte es sich um ​Luft- und Bodenangriffe gegen Posten, Hauptquartiere ⁠und Munitionsdepots der Taliban entlang der ​Grenze. Beide Seiten meldeten zahlreiche Tote. Die Zahlen ⁠gehen jedoch stark auseinander ​und konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Pakistans Militär greift Kabul an Bereits Stunden zuvor war es zu heftigen Auseinandersetzungen entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze gekommen. Afghanische Truppen hätten in der Nacht "breit angelegte" Luftangriffe auf Militäreinrichtungen in Pakistan geflogen, teilte ein Sprecher der radikalislamischen Taliban-Regierung in Afghanistan mit. Pakistan reagierte mit Vergeltungsschlägen. Pakistans Präsident Asif Ali Zardari schrieb in der Nacht auf X, die Reaktion der pakistanischen Streitkräfte sei umfassend und entschlossen. Sein Land werde keine Zugeständnisse in Bezug auf Frieden und territoriale Integrität machen. Der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi sprach von einer "angemessenen Reaktion" auf die "offene Aggression" der Taliban. Reporter der Nachrichtenagentur AFP in Kabul meldeten laute Explosionen und Schussgeräusche über einen Zeitraum von mehr als zwei Stunden. Im südafghanischen Kandahar, wo der Taliban-Anführer Hibatullah Achundsada seinen Sitz hat, waren demnach Flugzeuggeräusche zu hören. UN-Generalsekretär António Guterres forderte beide Länder zur Deeskalation auf. Vergeltung für mehrere Selbstmordanschläge Die Beziehungen zwischen den beiden ⁠Nachbarländern sind seit Langem ​angespannt. Sie haben sich verschärft, seitdem die Taliban im August 2021 wieder die Herrschaft über Afghanistan übernommen haben. Die jüngsten Gefechte entstanden nach einem Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad vor zwei Wochen, zu dem sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt hatte. Der Anschlag folgte auf eine ‌Reihe von Selbstmordanschlägen von Islamisten , für die Pakistan die Taliban verantwortlich macht. Pakistan wirft den Taliban vor, Extremisten zu beherbergen. Die Taliban-Führung in Kabul weist dies zurück. Trotzdem hatte Pakistan am Sonntag Ziele mutmaßlicher Extremisten an der Grenze zu Afghanistan angegriffen – nach eigenen Worten aus Vergeltung für die Terroranschläge in seinem Land. Auch die Vereinten Nationen schreiben in einem jüngst veröffentlichten Bericht, dass die Regierung in Kabul verschiedenen Terrorgruppen im Land ein günstiges Umfeld biete und die pakistanischen Taliban unterstütze. Die regierenden Taliban bestreiten das.