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02.02.2026
14:28 Uhr
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Eine Doppelspitze um den AfD-Abgeordneten Helferich kandidiert für den NRW-Landesvorstand. Ihre Wahl wäre ein Indiz für die Radikalisierung der Partei auch im Westen.

Das patriotisch-völkische Lager um den Dortmunder Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich will mit einer Doppelspitze beim Landesparteitag im März den amtierenden Landeschef in Nordrhein-Westfalen, Martin Vincentz, herausfordern. Bei dem Führungsduo handelt es sich um die beiden Bundestagsabgeordneten Christian Zaum und Fabian Jacobi. Zaum ist zudem Sprecher des Bezirks Arnsberg und Mitglied der Deutschen Burschenschaft, Jacobi ist stellvertretender Vorsitzender des NRW-Landesvervbands. Die Kandidatur gab Zaum am Montagmorgen über seinen Telegram-Kanal bekannt. Helferich hat diese auf Anfrage der ZEIT bestätigt. Damit wird der seit vielen Monaten erbittert geführte Machtkampf zwischen Helferich und dem vorgeblich gemäßigten Vincentz beim Landesparteitag seinen Höhepunkt finden. Gerade die Kandidatur von Zaum gilt als überraschend. Bereits im Juni 2024 hatte der NRW-Landesverband seinen Rauswurf aus der Partei beantragt. In seiner ehemaligen Funktion als stellvertretender Sprecher des Kreisverbands Siegen soll der Gymnasiallehrer in 20 Fällen Anhängern der Partei die Mitgliedschaft verweigert haben, um so neue Mehrheitsverhältnisse zu verhindern, die seine Wiederwahl womöglich gefährdet hätten. Damit habe er sich parteischädigend verhalten. Das geht aus dem Ausschlussantrag hervor, der der ZEIT vorliegt. Die Gegenseite wiederum behauptet, das Vincentz-Lager habe gezielt versucht, den Kreisverband mit Helferich-Gegnern zu fluten, um neue Machtverhältnisse zu schaffen. In der Doppelspitze soll Zaum für die völkische Prägung stehen. Jacobi hingegen soll das Duo auch für gemäßigtere Anhänger wählbar machen, wie aus dem Umfeld der beiden zu hören ist. Der Jurist Jacobi gilt als pressescheuer Einzelgänger, der sich angeblich keinem Lager wirklich zugehörig fühlt, allerdings auch für Vincentz offenbar keine allzu großen Sympathien mehr hegt. Vincentz, Chef des mitgliederstärksten Landesverbands der AfD, gilt schon länger als geschwächt. Zuletzt hatte er bei der Wahl zum Landesvorstand der neuen AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland eine Niederlage einstecken müssen. Sein Kandidat verlor gegen den von Helferich unterstützten Patrick Heinz. Vor allem aber dürften Vincentz die Ermittlungen gegen seinen Vertrauten Klaus Esser zugesetzt haben. Seit mehr als einem Jahr ermittelt die Staatsanwaltschaft Aachen gegen den Landtagsabgeordneten wegen des Vorwurfs der Urkundenfälschung und des Titelmissbrauchs. Esser soll ein Examenszeugnis im Fach Jura gefälscht und sich im Anschluss auch als Jurist ausgegeben haben. Im November 2024 hatten Ermittler sein Haus durchsucht. Die Staatsanwaltschaft will Medienberichten zufolge einen Strafbefehl in Höhe von 13.500 Euro erlassen. Esser bestreitet die Vorwürfe und hat angekündigt, die Geldzahlung nicht zu akzeptieren. Gegen ihn läuft außerdem ein Parteiausschlussverfahren. Der Jurist Helferich selbst wurde bereits erstinstanzlich aus der Partei ausgeschlossen. Grund dafür war vor allem ein rassistischer Social-Media-Post, in dem er migrantische Menschen mit "Viechern" gleichgesetzt hatte. Helferich hat gegen das Urteil Widerspruch eingelegt. Über seinen Fall muss jetzt das Bundesschiedsgericht entscheiden. Einen Termin gibt es dem Vernehmen nach noch nicht. Helferich gilt als enger Vertrauter des Thüringer AfD-Landeschefs Björn Höcke. Seine radikale und migrationsfeindliche Haltung hat ihm zahlreiche Erwähnungen in den Gutachten des Verfassungsschutzes eingebracht. Sollte die Doppelspitze den größten Landesverband der AfD tatsächlich übernehmen, wäre dies ein klares Zeichen: für die zunehmende Radikalisierung der AfD auch in westdeutschen Bundesländern.