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09.12.2025
19:03 Uhr
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Eine AfD-Delegation reist in die USA, um mit Trumpisten anzubandeln – und einen Fehler von Beatrice von Storch wettzumachen. Im Zentrum: eine Republikanerin aus Florida

Dieser Tage wird Markus Frohnmaier wieder durch New York eilen, sehr wahrscheinlich im eleganten grauen Anzug, mit Krawatte und Einstecktuch, wie sonst auch – in der Tasche die Einladung zur jährlichen Gala des Young Republican Club (YRC) am kommenden Samstag. Der Parteinachwuchs der Republikaner hat den außenpolitischen Sprecher der AfD-Fraktion als Ehrengast geladen und will ihn auszeichnen für seinen Kampf als Oppositionspolitiker gegen die angebliche Unterdrückung durch eine linke Meinungsmacht in Deutschland. "Mit diesem Preis wird die mutige Arbeit der Alternative für Deutschland (AfD) im besonders repressiven und feindseligen politischen Klima Deutschlands gewürdigt", schreibt der YRC-Präsident an Frohnmaier in der Einladungskarte und leitet unverhohlen zu Umsturzgedanken über: "Unser Club setzt sich weiterhin für eine neue Staatsordnung in Ihrem Land ein, in der die Verteidiger der gescheiterten liberalen Ordnung eine triumphierende AfD am meisten fürchten." Passend dazu soll der 34-Jährige den Allen-W.-Dulles-Preis erhalten, benannt nach dem früheren CIA-Chef und entschlossenen Bekämpfer kommunistischer Bestrebungen. Die Laune Frohnmaiers und seiner Reisegruppe dürfte also bestens sein. Einen solch prunkvollen Empfang hat es für die AfD bislang nicht gegeben. Bisher mussten sich die Reisekader der Partei beim renommierten Dinner des YRC für viel Geld Tische kaufen. Jetzt wird einer von ihnen sogar geehrt und darf eine Rede halten. Die AfD verbucht die Einladung als großen Erfolg. Seit dem Bundestagswahlkampf und der zweiten Inauguration von Donald Trump im Januar arbeitet die Partei intensiver denn je an guten Kontakten zu Republikanern und der MAGA-Bewegung ("Make America great again") . Der Grund: Im Falle einer Regierungsübernahme will die Partei einen verlässlichen Partner jenseits des Atlantiks haben, der ihre Ideologie und Ansichten teilt, einen großen Bruder im Geiste. Doch wie nah dran ist die AfD wirklich? Ist das meiste nur gut gemachte Show oder läuft da inzwischen mehr? Streicheleinheiten für die AfD Ein Abend im Oktober im Berliner Regierungsviertel: Im restlos gefüllten Saal der Bundestagsfraktion feiern die Abgeordneten und ihre Gäste mit frenetischem Applaus Alex Bruesewitz, einen smart auftretenden 28-jährigen Kommunikationsprofi. Bruesewitz hatte 2017 die Social-Media-Kampagne von Donald Trump geleitet, als der sich das erste Mal um das Präsidentenamt bewarb. Auch im Wahlkampf 2024 holte ihn Trump an seine Seite, diesmal verantwortete Bruesewitz die Podcast-Strategie mit dem Auftrag, die Aufmerksamkeit unzufriedener junger Männer auf Trump zu ziehen. Er weiß also, wie man Konservative an die Macht führt. Das ist es, was die AfD von ihm hören will – und Bruesewitz liefert: Tiraden gegen die EU, gegen "Überflutung mit Migranten", die "gottlosen Eliten", gegen Zensur im Netz und Repression gegen die Opposition. Seine Lösung für die Probleme der Gegenwart: starker Grenzschutz, Gottes Hilfe und große Familien. Die AfD solle kämpfen, im Bundestag, "auf den Straßen, in den Herzen der Menschen", feuert Bruesewitz das Auditorium an. Um die Deutungshoheit von den Linken umfassend zurückzugewinnen. Den Auftritt des kompromisslosen Verfechters der MAGA-Agenda feiert die AfD als Coup. Das renommierte Time -Magazin hat Bruesewitz gerade erst zu einem der 100 einflussreichsten aufstrebenden Stars der Welt in der Kategorie Leaders gekürt. Das AfD-Auditorium reagierte verzückt: Da spricht ein echter Trump-Vertrauter zu ihnen, einer, der im Maschinenraum der Macht gearbeitet hat und der ihnen nun erzählt: Lasst euch nicht unterkriegen. Wir teilen euer Schicksal und wir stehen an eurer Seite, wenn es darum geht, die Vorherrschaft der Linken zu brechen. "Wir sind getrennt durch Meilen, aber vereint im Geist", streichelt Bruesewitz die AfD. Und er will sagen: Wir haben es an die Macht geschafft, das könnt ihr auch. An ihren US-Kontakten arbeitet die AfD seit Jahren. Die ersten Gespräche mit Kongressabgeordneten bahnten 2022 AfD-Politiker aus Sachsen-Anhalt an, darunter der Bundestagsabgeordnete Jan-Wenzel Schmidt, der besonders gute Drähte in die USA pflegt. Eine Reisegruppe erhielt sogar Zugang zu Trumps Golf-Resort in Florida. Das Ziel der Missionen: von den US-Republikanern gehört werden, aus ihrem US-Wahlkampf von 2024 lernen, die Amerikaner zum Resonanzraum für ihre Opfererzählung machen. Die Strategie ging auf: Trumps Vize J.D. Vance traf danach Alice Weidel in München. Trump-Unterstützer Elon Musk lud die AfD-Chefin auf seiner Plattform X zu jenem viel beachteten Gespräch, in dem Weidel mit der These irritierte, Hitler sei ein Kommunist gewesen – eine gern gehörte Erzählung unter den Neurechten, mit der sie sich gleichsam vom Naziregime und der historischen Schuld der Schoah lossagen wollen. Unvergessen ist der umjubelte Video-Auftritt Musks beim Wahlkampfauftakt der AfD wenig später in Halle an der Saale. Verschnupft über von Storchs Vorgehen Kaum war der Bundestag gewählt, kamen die öffentlichen Schmeicheleien zwischen Weidel und dem Tech-Milliardär zunächst zum Erliegen. Doch hinter den Kulissen arbeitete die AfD mit Ehrgeiz an der neuen Verdrahtung zur anderen Seite des Atlantiks. Zur US-Parlamentariergruppe des Bundestages gehören mittlerweile mehr als 20 Abgeordnete, teils mit privaten Verbindungen in die USA. Vertrauen aufbauen, auf Arbeitsebenen Ansprechpartner gewinnen, lautet derzeit die Parole der AfD. Eine Westbindung, aber eben unter anderen Vorzeichen. Nicht immer lief das gut. Mitte September mühte sich Beatrix von Storch um Zugang zum Weißen Haus, offenkundig vergeblich – wer ihre angeblichen Gesprächspartner waren, blieb im Nebel. Gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Landespolitiker Joachim Paul versuchte sie, Zuspruch der US-Seite für die AfD zu erhalten, nachdem Paul wegen Zweifeln an seiner Verfassungstreue als Oberbürgermeisterkandidat für Ludwigshafen abgelehnt worden war. Doch ihr direkt vor dem Weißen Haus gegebenes Interview ("Jetzt schaltet sich die US-Regierung ein") wurde von der Trump-Administration als Affront empfunden. Kein US-Offizieller hatte öffentlich reagiert. Das Trump-Lager zeigte sich nach Angaben beteiligter AfD-Strategen verschnupft über das forsche Vorgehen von Storchs. Markus Frohnmaier, der kurz nach ihr in die USA flog, hatte Mühe, überhaupt Termine bei US-Politikern zu bekommen. "Sie hat zu früh kommuniziert, sie hat die Kommunikation nicht dem Gastgeber überlassen und den Eindruck erweckt, sie hätte beim US-Vizepräsidenten auf dem Sofa gesessen", heißt es aus der Führung. "Man hat sich an das Protokoll zu halten." Die Amerikaner sähen die deutschen Regierungsparteien immer noch als erste Ansprechpartner. Man möge sie vielleicht nicht, aber man wolle sie auch nicht öffentlich brüskieren, heißt es aus der Fraktionspitze. Trotz des diplomatischen Fehltritts fand Frohnmaier schnell Anschluss. Zuerst besuchte der Weidel-Vertraute das Oktoberfest einer Kirchengemeinde von Auslandsdeutschen in Washington, D. C.: weiß-blaue Bayernfähnchen und deutsche Folklore. Auf dem Weg zur Bühne drückte ihm jemand ein Budweiser und ein Mikrofon in die Hand. "Prost" schallte es Frohnmaier entgegen, als er die Feiergesellschaft auf die "german-american friendship" anstoßen lässt. Ein Prosit der Gemütlichkeit , intoniert die Kapelle Elbe German Band. Am nächsten Tag besucht Frohnmaier Vertreter des US-Außenministeriums. Aus seinem Trip hat er einen achtminütigen Videoclip geschnitten und auf seinem YouTube -Kanal hochgeladen: Frohnmaier in der Limousine, auf dem Weg zum Briefing in der Deutschen Botschaft, mit Aktentasche in der Hand. Frohnmaier neben der US-Flagge , bei Unterstaatssekretär Darren Beattie im State Department, zum Abschluss bei einem Vortrag an der angesehenen Universität Georgetown in einem Hörsaal voller begeisterter Jungkonservativer und MAGA-Anhänger. Fast könnte man meinen, da ist nicht ein AfD-Politiker aus Böblingen unterwegs, der mal ein bisschen Weltmachtluft schnuppern möchte, sondern der deutsche Außenminister auf Dienstreise.