|
07.03.2026
14:47 Uhr
|

Begleitet von lautstarken Protesten von Demonstranten hat der Parteitag der nordrhein-westfälischen AfD in Marl begonnen. Ein gutes Jahr vor der Landtagswahl wählen rund 500 Delegierte des mitgliederstärksten AfD-Landesverbandes einen neuen Vorstand. Der gemäßigt auftretende Landeschef Martin Vincentz stellt sich zur Wiederwahl. Die AfD NRW befindet sich in einem Machtkampf zwischen einem eher moderat auftretenden und einem äußerst rechten Lager. Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel rief den tief zerstrittenen Landesverband zur Geschlossenheit auf. Besonders im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW werde eine "handlungsfähige und schlagkräftige" AfD gebraucht, sagte Weidel in einem Grußwort. Der größte Landesverband müsse als "geeint und vertrauenswürdig" wahrgenommen werden, der angriffslustig gegen die Regierung auftrete und alle einbinde, die sich engagieren wollten. Vincentz wirbt für moderaten Kurs Beide AfD-Lager trafen in der Halle in einer lautstarken Auseinandersetzung aufeinander. Vincentz warb für einen moderaten Kurs der AfD NRW. "Die Menschen in NRW wollen nicht irgendwelche Verrückten von rechts", rief er. Das Pendel dürfe nicht auf die rechte Seite umschwenken. Dafür erntete er Applaus, aber auch viele Buhrufe aus den Delegiertenreihen. In seinem Rechenschaftsbericht verwies Vincentz darauf, dass die AfD unter seiner Führung ihr Ergebnis bei der Kommunalwahl auf 14,5 Prozent fast verdreifacht habe. Bei der Landtagswahl 2027 könnte die AfD laut einer jüngsten WDR-Umfrage auf 2027 auf 15 Prozent kommen (2022: 5,4 Prozent). Die AfD werde in Kürze in NRW 14.000 Mitglieder haben. "Wir brauchen keine AfD, die sich gegenseitig bekämpft, sondern die sich gegenseitig hilft und zusammensteht", sagte Vincentz. Nur dann könne sie ihre besten Ergebnisse einfahren. Der 39-jährige Partei- und Landtagsfraktionschef führt den Landesverband seit 2022. Mit einer erneuten Wahl möchte sich der Arzt auch ein Sprungbrett für die Spitzenkandidatur zur NRW-Landtagswahl Ende April 2027 schaffen. Kein Zutritt für Helferich Der umstrittene, äußerst rechte Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich, der in erster Instanz aus der Landespartei ausgeschlossen wurde, bekam keinen Zutritt zum Parteitag. Helferich sei keine Gästeakkreditierung ausgestellt worden, sagte ein AfD-Sprecher. Der Dortmunder Helferich gilt als Strippenzieher des extrem rechten Lagers in der AfD NRW. Vor der Zufahrt zur Parteitagshalle in einem Gewerbegebiet in Marl versammelten sich nach Polizeiangaben in der Spitze rund 330 Demonstranten zu lautstarkem Protest. Sie hielten Plakate mit den Aufschriften "Vetternwirtschaft AfD" und "AfD-Verbot jetzt" hoch. Doppelspitze tritt gegen Vincentz an AfD-Landeschef Vincentz wird herausgefordert von den beiden Bundestagsabgeordneten Fabian Jacobi und Christian Zaum, die als Doppelspitze antreten wollen. Der Ausgang der Wahl gilt als ungewiss. Über eine Doppelspitze müssten die rund 500 Delegierten entscheiden, bevor es in die Wahl des Landesvorstands geht. Die Rolle der AfD-Jugend und Helferichs Nur einen Tag vor Beginn des Parteitags hatte der NRW-Verfassungsschutz die neue AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD) in NRW als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft. Weidel stellte sich hinter die neue AfD-Jugend, die auf die aufgelöste Junge Alternative folgte. Die Einstufung sei "ein weiterer Orden, den man sich hier ans Revers heften kann". Der einflussreiche Jugendverband stellte sich gegen Vincentz und will in Marl dessen Herausforderer Zaum und Jacobi unterstützen. © dpa-infocom, dpa:260307-930-781167/4