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23.11.2025
07:20 Uhr
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Wieder verhindern Ölstaaten den Durchbruch im globalen Klimaschutz. Wie lange noch? Der Widerstand wächst unaufhaltsam. Das ist die gute Nachricht vom Weltklimagipfel.

Damit hatte niemand gerechnet: Die Verhandlungen auf der Klimakonferenz endeten in einem Showdown zwischen denen, die für Klimaschutz kämpfen – und denen, die ihn vehement verhindern wollen. Und zumindest in einem konnten sich Letztere am Ende durchsetzen: Einen Plan für den Ausstieg aus Öl, Kohle und Gas findet sich in der Abschlusserklärung der COP30 in Brasilien nicht. Kurz schien es sogar, als könnten die Verhandlungen deshalb komplett ins Leere laufen. "Ein von Klimaleugnern aufgezwungener Konsens ist eine gescheiterte Vereinbarung", sagte die kolumbianische Verhandlerin Daniela Durán. Ihr Land könne diesen Abschluss nicht akzeptieren. Auch andere Staaten, darunter Panama und Uruguay, äußerten Bedenken. Doch da war es dafür eigentlich schon zu spät. Der Hammer war an diesem Samstagmittag in Belém bereits gefallen. Kurz wurde das Abschlussplenum unterbrochen, weil niemand so recht wusste, was in so einem Fall passiert. Denn Passage um Passage einer gemeinsamen Erklärung wird seit jeher wie folgt beschlossen: Meldet in der großen Runde aller teilnehmenden Staaten niemand Bedenken an, besiegelt der Hammerschlag die Einigung. Und daran wurde auch jetzt nicht mehr gerüttelt. Es täte ihm sehr leid, dass er die Einwände einiger Staaten nicht ausreichend gehört hätte, verkündete COP-Präsident André Corrêa do Lago nach dem Eklat. Er habe zu wenig geschlafen, und auch sein "fortgeschrittenes Alter" helfe nicht gerade. Nach Absprache mit Fachleuten blieb es dabei: Ist der Hammer einmal gefallen, ist die Einigung offiziell. Dann ergriff die russische Delegation noch einmal das Wort: Die lateinamerikanischen Staaten sollten sich nicht "wie Kinder benehmen." Man sei der COP-Präsidentschaft sehr dankbar für die harte Arbeit und den gelungenen Kompromiss. Für manche Staaten steht am Ende der 30. Weltklimakonferenz eher ein Minimalkonsens – das Äußerste, dem alle 194 Staaten zustimmen können. Zumal einige von ihnen jeglichen Klimaschutz bewusst blockieren. Und doch ist das Ergebnis der Verhandlungen nicht nur schlecht. Große Hoffnung für eine Roadmap zum Ende von Kohle, Gas und Öl Allein die Stimmung war in Belém in den vergangenen zwei Wochen spürbar zuversichtlich. Trotz der schwierigen geopolitischen Umstände verhandelten die Staaten zunächst überraschend konstruktiv miteinander. Gleich zu Beginn sagte Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, er wolle als Gastgeber der Konferenz vor allem den Ausstieg aus der fossilen Energie vorantreiben. Mehr als 80 Staaten – darunter auch die EU – sprachen sich daraufhin für eine Roadmap aus, also für einen Fahrplan, wie das weltweite Ende von Kohle, Gas und Öl organisiert werden soll. Zwischenzeitlich schien es möglich, dass in Belém genau das beschlossen würde: Die COP30 steuerte auf einen sensationellen Erfolg zu. Umso größer war die Enttäuschung, als am Freitagvormittag ein Entwurf für das Abschlussdokument veröffentlicht wurde . Weder stand die Roadmap für den Ausstieg aus der fossilen Energie darin, noch fand sich viel Konkretes zu stärkeren Klimaschutzmaßnahmen. Aus Sicht einiger Staaten inakzeptabel: "Diese COP kann nicht ohne einen Plan für den fossilen Ausstieg enden", sagte Kolumbiens Umweltministerin Irene Vélez Torres während einer Pressekonferenz am Freitagvormittag. Es kam anders. Starke Gegner des fossilen Ausstiegs Die Roadmap hatte mächtige Gegner. "Wir waren konfrontiert mit einer sehr stark auftretenden Petroindustrie. Länder, die mit Öl und Gas ihr Geld verdienen, die hier eine Blockade organisiert haben", sagte der deutsche Umweltminister Carsten Schneider nach der Einigung. Saudi-Arabien, Russland, China und Nigeria hätten in der letzten Verhandlungsnacht der brasilianischen Präsidentschaft klargemacht, dass schon die Worte "fossile Energie" im Abschlussdokument für sie eine rote Linie darstellen. So berichtet es ein Beobachter. Gerade Saudi-Arabien soll in den Verhandlungen – wie schon auf vergangenen Klimagipfeln – aggressiv aufgetreten sein. Dabei spielte das Land anscheinend das zweite große Thema der Konferenz gegen einen stärkeren Klimaschutz aus, um Staaten auf seine Seite zu ziehen: die Anpassung an den Klimawandel. Dabei geht es um die Frage, wie sich Länder gegen die verheerenden Folgen der Erderwärmung absichern, etwa indem sie Deiche oder Bewässerungsanlagen bauen. Viele arme Staaten können sich solche Maßnahmen kaum leisten und sind daher auf Hilfen aus dem Globalen Norden angewiesen. Dies machten sich die Petrostaaten offenbar zunutze, um Wut unter anderem gegen die EU‑Länder zu schüren. Denn diese gehören zu den Geberländern, von denen erwartet wird, andere Staaten finanziell zu unterstützen. In Zeiten knapper Haushalte und erstarkender rechter Parteien ist es jedoch schwierig, diese Erwartung zu erfüllen. Nur: Fehlt es an Geld, sind viele Länder nicht mehr bereit, stärkere Klimaschutzmaßnahmen mitzutragen. Es sei jedoch nicht an der Anpassungsfinanzierung gescheitert, betonte die deutsche Delegation; man sei durchaus zu Gesprächen bereit gewesen, aber eben nur, wenn gleichzeitig auch Klimaschutz thematisiert würde – und genau das scheinen einige Staaten zuletzt selbst in bilateralen Gesprächen ausgeschlossen zu haben.