Zeit 03.02.2026
04:14 Uhr

Abgasskandal: Ex-Daimler-Chef Zetsche soll vor Gericht zu Dieselklage aussagen


Der frühere Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche ist vor dem Oberlandesgericht Stuttgart als Zeuge geladen. Er führte den Konzern zur Zeit des Abgasbetrugs 2015.

Abgasskandal: Ex-Daimler-Chef Zetsche soll vor Gericht zu Dieselklage aussagen
Der ehemalige Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche ‌soll sich an diesem Dienstag erstmals als Zeuge in einem Prozess um Anlegerklagen im Zusammenhang mit dem Dieselabgasskandal äußern. Zetsche führte die ​heutige Mercedes-Benz Group zur Zeit des Abgasbetrugs, ‌der 2015 bei Volkswagen aufgeflogen war und später auch zu Betrugsvorwürfen gegen ⁠Daimler führte. Nun soll er befragt ​werden, ob der Vorstand einst strategisch entschied, EU-Abgasnormen zu umgehen, und deshalb von 2012 bis 2018 mutmaßlich unzulässige Abschalteinrichtungen eingebaut worden seien. Damalige Daimler-Aktionäre werfen dem börsennotierten Unternehmen vor, sie nicht rechtzeitig über die illegale Abschalteinrichtung informiert zu haben. Die Technik führte ähnlich wie bei VW-Dieselmotoren zu höherem Stickoxidausstoß als erlaubt, was einen umfangreichen Rückruf und eine Prozesswelle ​von Autokäufern nach sich zog. Hunderte Anleger sehen sich geschädigt, weil sie ‍die Daimler-Aktien zu teuer erworben hätten. Sie verlangen für entstandene Verluste Schadensersatz von inzwischen 1,25 Milliarden Euro. Das Oberlandesgericht verhandelt seit Herbst 2023 eine Musterklage gegen den Autobauer. Das Unternehmen wies die Vorwürfe stets zurück und bestreitet, dass es sich bei der Abgasreinigungssteuerung um eine Abschalteinrichtung handelt. OLG fragt nach strategischer Entscheidung des Konzernvorstands Das Kapitalanleger-Musterverfahren vor dem OLG dient dazu, für eine Vielzahl einzelner Klagen vor dem Landgericht Tatsachen- und Rechtsfragen zu klären. Auf dieser Basis kann ⁠die untere Instanz über den etwaigen Schadensersatzanspruch urteilen. Das OLG ⁠hat sich mit über 60 von beiden Prozessparteien eingereichten Feststellungszielen bereits in mehreren ‌Verhandlungsterminen beschäftigt. Im Februar 2025 ließ ​das OLG die Frage zu, ob der Konzernvorstand gezielt eine strategische Entscheidung zur Manipulation ⁠von Abgasen bei Dieselmotoren getroffen hat. Zur Aufklärung wurden neben Ex-Chef Zetsche ein ‍weiteres ehemaliges Vorstandsmitglied sowie einige Mitarbeitende zur Beweisaufnahme geladen.