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12.02.2026
17:48 Uhr
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Das deutsche KI-Gesetz steht. Ein Sprachmodell blickt mit neuer Perspektive in die Welt. Auf einer Jobplattform stellen KI-Agenten Menschen ein. Der KI-Newsletter

Sie lesen den KI-Newsletter " Natürlich intelligent " vom 12. Februar 2026. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an . Für die Domain AI.com sind offenbar 70 Millionen US-Dollar geflossen. Das berichtet unter anderem die Financial Times . Bezahlt haben soll diese schier unfassbare Summe der Chef der Kryptobörse crypto.com. Der will unter AI.com eine dezentrale Plattform für autonome KI-Agenten schaffen – ähnlich wie OpenClaw. Die Agenten sollen im Auftrag ihrer Nutzer dort zum Beispiel mit Aktien handeln. Dafür würden "sämtliche technische Hürden" entfernt . Wenn Sie mich fragen: Ein paar Hürden wären beim Aktienhandel für die Agenten vielleicht nicht schlecht, um die Nutzer vor finanziellen Verlusten zu schützen. Das müssen Sie wissen: Das deutsche KI-Gesetz nimmt Gestalt an Seit Monaten wurde darüber beraten, wie der AI Act, das EU-Gesetz zu KI-Regulierung, in Deutschland umgesetzt werden soll. Jetzt steht der Plan für das deutsche Gesetz endlich . Am Mittwoch ist ein entsprechender Gesetzesentwurf im Bundeskabinett verabschiedet worden. Der hört auf den etwas komplizierten Namen KI-Marktüberwachungs- und Innovationsförderungsgesetzes (KI-MIG). Damit ist auch klar, wer künftig in Deutschland über die Entwicklung, Bereitstellung und den Betrieb von KI-Systemen wachen wird: Die Bundesnetzagentur wird die nationale KI-Aufsichtsbehörde, was wenig überraschend ist. Dafür bekommt die Bundesnetzagentur 43 zusätzliche Stellen . Statt einer zusätzlichen Behörde "mit Wasserkopf" werde eine schlanke KI-Aufsicht mit klarem Blick auf die Bedürfnisse der Wirtschaft geschaffen, teilte Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) am Mittwoch mit. Der AI Act sieht vor, dass Unternehmen, die KI entwickeln, deren Risiken einschätzen müssen. Je gefährlicher die Anwendung, desto höher sind die gesetzlichen Auflagen. Allzu riskante KI-Anwendungen sind nicht erlaubt – das gilt etwa für automatisierte Emotionserkennung am Arbeitsplatz. Auch die Gesichtserkennung ist verboten, es gibt allerdings Ausnahmen für Sicherheitsbehörden. Möglicherweise ist das aus Sicht des Digitalministers alles ein bisschen viel Verbot. Die europäischen Vorgaben würden mit dem neuen Gesetz maximal innovationsoffen umgesetzt, ließ er mitteilen. Darüber sollten Sie nachdenken: Blickt KI mit einer US-amerikanischen Perspektive in die Welt? Meine Kollegin Sophia Boddenberg hat diese Woche über LatamGPT berichtet . Hinter dem Namen verbirgt sich ein Sprachmodell, das 30 Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas entwickelt haben. Viele der gängigen Modelle stammen von US-amerikanischen Technologieunternehmen und wurden mit Daten trainiert, die die Sprachen, Traditionen und Geschichten der lateinamerikanischen Welt kaum widerspiegeln, kritisieren die Forscher. Die Folge, schreibt Sophia: Fragt ein Kind dort ChatGPT nach einem prominenten Politiker, dann nennt ihm das System eher George Washington als einen Politiker aus seinem Heimatland. Mit LatamGPT soll sich das jetzt ändern. Dass künstliche Intelligenz globale Ungleichheiten reproduziert, bezeichnen Forscher als silicon gaze , den Blick des Silicon Valley. Ende Januar hat ein Team des Oxford Internet Institute (OII) im Rahmen des Projektes Inequalities.AI eine Studie veröffentlicht, in der über 20 Millionen Anfragen an ChatGPT ausgewertet wurden. Fragten Nutzer beispielsweise, welches Land "sicherer", "innovativer" oder "klüger" ist, dann nannte der Bot deutlich häufiger reiche westliche Länder als andere. Natürlich spiegeln die Modelle oft die Verzerrungen ihrer Trainingsdaten wider. Allerdings formen Sprachmodelle längst auch, wie wir die Welt heute sehen. Eine größere Vielfalt in den Trainingsdaten und der Herkunft der Modelle könnte dazu beitragen, die Ungleichheiten unserer heutigen Welt zumindest ein Stück weit auszugleichen. Das können Sie ausprobieren: RentAHuman.AI Es gibt eine neue Jobplattform, auf der KI-Agenten Menschen anheuern können. Ja, Sie lesen richtig: KI beauftragt Mensch, nicht andersherum. Die Seite heißt RentAHuman.AI . Arbeitssuchende Menschen können hier ein Kurzprofil erstellen, aus dem hervorgeht, welche Arbeitsleistung sie zu welchem Stundenlohn anbieten. Die KI-Agenten können dann aus den verschiedenen Angeboten wählen, wen sie beauftragen. Menschen und KI werden in Zukunft nahtlos miteinander zusammenarbeiten, erklären die Gründer, Alexander Liteplo und Patricia Tani, ihre Vision. Und RentAHuman.AI sei der "Meatspace", wie sie schreiben, der reale Ort oder die fleischliche Welt für ebenjene Zukunft. Denn manche Dinge kann die KI eben noch nicht selbst und braucht ein Helferlein aus Fleisch und Blut. Ich habe mich auf der Seite registriert und mir von ChatGPT ein Kurzprofil generieren lassen, das gezielt KI-Agenten ansprechen soll. Darin steht unter anderem, dass ich für die KI sprechen, ihr also eine menschliche Stimme geben oder mit Menschen diskutieren könnte. Leider hat mich bis zum Redaktionsschluss dieses Newsletters noch kein Auftrag erreicht. Ein Kollege der ARD, der gezielt auf X einen Bot anschrieb, hatte mehr Glück. Der stellte ihn tatsächlich über RentAHuman.AI ein, berichtet er. 200 Euro ließ sich der KI-Agent das kosten. Geld, das dem Kollegen wirklich in seine Kryptowallet überwiesen wurde. Dafür musste er in München mit Passanten über eine neue KI-Religion diskutieren. Ob auf RentAHuman.AI alles so ernst gemeint ist, sei dahingestellt. Lustig ist es allemal. Gründer Liteplo postete jedenfalls auf der Plattform X ein Bild, auf dem eine offensichtlich etwas beschämte Person zu sehen ist, die inmitten einer gut besuchten Fußgängerzone ein Schild hochhält. Auf dem steht: "Eine KI hat mich dafür bezahlt, dass ich dieses Plakat halte". Sein Stolz, heißt es auf dem Schild weiter, sei allerdings nicht im Preis inbegriffen gewesen.