Zeit 09.08.2026
10:44 Uhr

ADHS bei Kindern: ADHS-Erstdiagnosen bei Kindern stiegen 2024 im Vergleich zum Vorjahr


2024 wurden in Deutschland nach Daten der DAK-Krankenkasse mehr ADHS-Erstdiagnosen bei Kindern gestellt als im Vorjahr. Besonders bei Schulkindern stieg der Anteil.

ADHS bei Kindern: ADHS-Erstdiagnosen bei Kindern stiegen 2024 im Vergleich zum Vorjahr
Die Zahl der Neudiagnosen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist nach Angaben der Krankenversicherung DAK-Gesundheit im Jahr 2024 um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit. Einbezogen wurden ADHS-Diagnosen bei Kindern bis einschließlich 17 Jahren. Hochgerechnet wurde damit 2024 bundesweit bei rund 202.000 jungen Menschen erstmals ADHS festgestellt. Jungen bekamen etwa doppelt so häufig eine Erstdiagnose wie Mädchen. Hochgerechnet betraf das 2024 rund 136.500 Jungen und 65.000 Mädchen. Der Zuwachs der Neudiagnosen lag mit 21 Prozent bei Mädchen höher als bei Jungen mit gut 14 Prozent. Im Vergleich zu 2020 gab es bei Mädchen sogar ein Plus von rund 46 Prozent. Der Anstieg betraf demnach alle Altersgruppen, fiel aber in der Gruppe der Schulkinder zwischen zehn und 14 Jahren mit einem Zuwachs von 22 Prozent besonders deutlich aus. Während 2023 etwa 15 von 1.000 Kindern zwischen zehn bis 14 Jahren die Neudiagnose ADHS erhielten, waren es 2024 rund 18 von 1.000. Insgesamt am häufigsten wurde bei Kindern im Alter zwischen fünf und neun Jahren eine ADHS-Erstdiagnose gestellt. Dies waren 2024 fast 24 von 1.000 Kindern. Die Hauptsymptome der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung sind Unaufmerksamkeit , Hyperaktivität und Impulsivität. Unaufmerksamkeit zeigt sich etwa darin, dass Betroffene leicht ablenkbar sind, bei Aufgaben weniger Ausdauer zeigen. Hyperaktivität äußert sich durch einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Bei der Diagnose wird unterschieden, welches dieser Symptome im Vordergrund steht oder ob sie gemeinsam auftreten. ADHS wird im internationalen Klassifikationssystem den Entwicklungsstörungen zugeordnet, tritt jedoch auch bei Erwachsenen auf. Die Symptome beginnen typischerweise in der frühen bis mittleren Kindheit. Unterschiedliche Gründe für Anstieg möglich Nach Einschätzung von Christoph Correll, dem Direktor der Klinik für Psychiatrie , Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Berliner Charité, handelt es sich nicht um eine »Modediagnose oder Überdiagnostik«. Zunehmender Druck und Stress oder auch negative Einflüsse sozialer Medien könnten bei einer genetischen Veranlagung dazu führen, dass eine psychische Erkrankung eher zum Tragen komme. Zudem sei das Thema ADHS in der Öffentlichkeit präsenter. Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte und -ärztinnen (BVKJ), Michael Hubmann, sieht in dem starken Anstieg bei Mädchen einen Hinweis, dass ADHS bei diesen lange unterdiagnostiziert wurde. DAK-Chef Andreas Storm hält eine stärkere Vernetzung in der Versorgung junger Menschen für nötig. »Nur so können sie früh stabilisiert und gezielt unterstützt werden, bevor sich Belastungen verfestigen«, teilte Storm mit.