|
13.08.2026
11:17 Uhr
|
Vor 65 Jahren begann der Bau der Berliner Mauer. Bundestagspräsidentin Klöckner appelliert bei einer Gedenkveranstaltung daran, die Einheit zu schätzen.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat zum 65. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer auf fortbestehende Spannungen zwischen Osten und Westen in Deutschland hingewiesen und zu Einigkeit aufgerufen. »Die Mauer hat in Deutschland Spuren gezogen, die unsere Wege heute noch beeinflussen«, sagte die CDU-Politikerin bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin. »Wir nehmen es kaum noch wahr, wenn wir von Niedersachsen nach Mecklenburg-Vorpommern fahren, von Thüringen nach Hessen, von Bayern nach Sachsen.« Dennoch würde die damalige Spaltung noch immer eine Rolle spielen. »Politische Fragen werden auf beiden Seiten manchmal sehr unterschiedlich beantwortet«, sagte Klöckner mit Blick auf Debatten über Corona-Schutzmaßnahmen, Migration oder den Umgang mit Russland. Das hänge auch mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen zusammen. »Für Westdeutsche änderte sich mit der Einheit nicht viel, für Ostdeutsche änderte sich mit der Einheit alles.« Wer das verstehen wolle, »muss bereit sein zuzuhören«, sagte die Bundestagspräsidentin. »1989 war es Mut, der die Mauer zum Einsturz brachte. Auch heute ist Mut gefragt. Der Mut, aufeinander zuzugehen.« Klöckner warnt vor »Desinteresse« an Freiheit und Demokratie Der Bau der Berliner Mauer begann am 13. August 1961 . Das Bauwerk und weitere Sperranlagen entlang der innerdeutschen Grenze trennten 28 Jahre lang die Bundesrepublik und die DDR. Am 9. November 1989 fiel die Mauer, ein knappes Jahr darauf folgte die Wiedervereinigung. Vor rund 120 Gästen in der Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße in Berlin-Mitte sagte Klöckner weiter: »Die Mauer teilte nicht nur die Bernauer Straße, nicht nur Berlin. Sie teilte Deutschland, Europa. Und sie teilte die Welt.« Die Wende 1989 würdigte die Bundestagspräsidentin als »erste friedliche Revolution, die in Deutschland geglückt ist«. Die damalige Freiheitsbewegung sei jedoch erneut in Gefahr, diesmal »durch Gleichgültigkeit und Desinteresse«, warnte Klöckner. »Freiheit können wir nicht verwalten. Wir müssen sie mit Leben und mit Vertrauen fühlen.« Die Entscheidung dafür müsse jede Generation »neu treffen«. Vor Klöckner hatten bereits mehrere Politiker angesichts des Jahrestages davor gewarnt , die DDR zu verharmlosen. So würde unter anderem die AfD »in Ostdeutschland positive Zerrbilder der DDR produzieren«, sagte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung . Auch die Beauftragte des Bundestages für die Opfer der SED-Diktatur in der DDR, Evelyn Zupke, kritisierte, dass der ostdeutsche Staat als »gemütlich und gemeinschaftlich« verklärt worden sei.