Zeit 20.11.2025
16:04 Uhr

50. Todestag von Franco: Spaniens Regierungschef würdigt "Wunder der spanischen Demokratie"


Vor 50 Jahren starb Spaniens Diktator Francisco Franco, dann begann der Wandel zur Demokratie. Regierungschef Sánchez nennt es eine "fast einzigartige Erfolgsgeschichte".

50. Todestag von Franco: Spaniens Regierungschef würdigt
Am 50. Todestag des Diktators Francisco Franco hat Regierungschef Pedro Sánchez von einem "Wunder" der spanischen Demokratie gesprochen. Die Entwicklung Spaniens nach Francos Tod sei "eine fast einzigartige Erfolgsgeschichte: der Übergang von einer repressiven Diktatur zu einer vollständigen Demokratie", sagte Sánchez. "Das ist eine außergewöhnliche Leistung, die nur sehr wenige geschafft haben." Franco starb am 20. November 1975, nachdem er Spanien fast 40 Jahre lang als Diktator regiert hatte. Der rechtsgerichtete General war als Sieger aus dem spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 hervorgegangen, in dem Hunderttausende Menschen getötet wurden. Nach Francos Tod bestieg Juan Carlos I. den Thron und wurde damit spanisches Staatsoberhaupt. Im Jahr 1977 wurden demokratische Wahlen abgehalten, im darauffolgenden Jahr stimmten die Spanier für eine neue Verfassung. Heute bleibe noch viel zu tun, sagte Sánchez. In einer Zeit, in der "manche autoritäre Regime idealisieren und an der Nostalgie einer Vergangenheit festhalten, die es nie gegeben hat", müsse Spanien einen Schritt nach vorne machen, "um die Freiheit zu verteidigen, die uns so viele Jahre lang genommen wurde", sagte der spanische Regierungschef . Jugend verehrt Franco zunehmend In Spanien erlebt die Verehrung von Franco vor allem unter jungen Menschen einen deutlichen Aufschwung – besonders im Internet. Auch bei rechtsextremen Kundgebungen in Madrid kam es Anfang November zu Hitlergrüßen, faschistischen Parolen und Gewalt. Auf TikTok und Schulhöfen feiern Jugendliche Franco, oft ohne die historischen Hintergründe zu kennen. Nach einer jüngsten Erhebung des staatlichen Umfrageinstituts CIS halten gut 21 Prozent der Bürger die Franco-Ära für "gut" oder "sehr gut". Unter Wählern der konservativen Volkspartei (PP) von Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo liegt der Wert bei rund 35 Prozent. Spanien hat bis heute die Aufarbeitung seiner traumatischen Vergangenheit nicht abgeschlossen. An den Schulen ist die Diktatur kein Thema. Dabei liegen im ganzen Land noch immer Tausende Opfer der Gewaltherrschaft anonym verscharrt unter der Erde. Kritik an Juan Carlos Memoiren Sánchez schien in seiner Erklärung zudem auf den früheren spanischen König Juan Carlos und dessen Memoiren Bezug zu nehmen. "Auch wenn es richtig ist, diejenigen zu würdigen, die aus verantwortungsvollen Positionen heraus die politische Weitsicht und den Geist der Eintracht bewiesen haben, die notwendig waren, um eine noch fragile Demokratie zu lenken, ist es ebenso richtig, sich daran zu erinnern, dass die Demokratie nicht vom Himmel gefallen ist", sagte er. Es sei das spanische Volk gewesen, "das in Zeiten des Zweifels voranging". Für seine Memoiren und die darin enthaltene Schilderung der Rolle, die er bei der Demokratisierung des Landes spielte, war Juan Carlos zuletzt kritisiert worden. Der frühere König schreibt darin: "Ich habe dem spanischen Volk die Freiheit gegeben, indem ich die Demokratie errichtet habe."