Zeit 15.01.2026
18:59 Uhr

"28 Years Later: The Bone Temple": In der Zombie-Reha


Ein Untoter namens Samson und am Ende sogar eine Kreuzigung: Der neueste Teil der Apokalypse-Reihe "28 Years Later" steckt voller christlicher Zitate. Halleluja!


Es ist einfacher, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus. Dieses Bonmot, mal Slavoj Žižek , mal Fredric Jameson zugeschrieben, wird von der Popkultur seit Jahren illustriert. Die Postapokalypse boomt, der Spaß fängt erst an, nachdem die Welt untergegangen ist. 28 Years Later: The Bone Tempel, der neueste Film der 28- Reihe von Danny Boyle und Alex Garland, zeigt nun besonders grausame Auswüchse der Barbarei. Der erste Film, 28 Days Later, ließ 2002 die Figur des Zombie ins 21. Jahrhundert rennen statt wie bisher stolpern, wo sie mit der Serie The Walking Dead und einer Vielzahl an Filmen zu einem der beliebtesten Genres der letzten Jahrzehnte wurde. 2007 folgte 28 Weeks Later und im vergangenen Sommer 28 Years Later , mit dem gleichzeitig eine eigene Trilogie begann. Diese wird mit The Bone Temple nun übergangslos fortgesetzt. Im Zentrum steht wieder der junge Spike (Alfie Williams), der zuletzt seine Mutter durch das zombieverseuchte Nordengland zu einem sagenumwobenen Arzt (Ralf Fiennes) begleitet hatte, der sie von ihren psychischen Problemen heilen sollte. Nun ist Spike selbst Teil einer zweifelhaften Gang geworden, der Jimmies. Der Sektenanführer Jimmy, gespielt von Jack O’Connell, zieht mit seinen Anhängern, Teenagern in blonden Vokuhila-Perücken, durch die Lande. Gemeinsam morden und foltern sie andere Überlebende. Alles im Dienste an ihrem Herrn, Old Nick, also Satan. Wie so oft im Horrorfilm sind es nicht die offensichtlichen Monster, die am meisten Furcht erregen, sondern die Überlebenden: Als Zuschauer sollte man wissen: The Bone Temple enthält Szenen von schockierendem Sadismus, etwa wenn die Teufelsanbeter anderen Überlebenden bei lebendigem Leib die Haut abziehen. Vielleicht ist dieses ganze Zombie-Zeug ja nur eine Psychose? Zum ersten Mal führt nicht Danny Boyle Regie, sondern die US-amerikanische Regisseurin Nia DaCosta, die sowohl im Arthouse-Horror (für ihren Film Candyman schrieb sie gemeinsam mit Jordan Peele das Drehbuch) als auch im Superheldengenre ( The Marvels ) zuhause ist. Wie würde sie an eine Reihe herangehen, die bisher ohne Heldenpathos auskam? Würde sie sich wie ihr Vorgänger mehr der emotionalen Verheerung widmen als dem Action-Spektakel? Zumindest optisch hat DaCosta einen konventionelleren Film gedreht. Boyle hatte sowohl bei Days als auch bei Years billige Digitalkameras und zuletzt sogar iPhones eingesetzt, was den Filmen einen Hauch von Dogma95 und found footage verlieh, manchmal sogar eine psychedelische Anmutung. DaCosta vermeidet solche Spielereien und setzt auf eine klassische, an manchen Stellen mit wunderschönen, ruhigen Bildern des Kameramanns Sean Bobbit ausstaffierte Fortsetzung. Psychedelisch geht es nur in den Köpfen der Protagonisten zu. Ralph Fiennes' Dr. Kelson geht weiterhin seinem bizarren Projekt nach, aus Leichen den titelgebenden Knochentempel zu bauen, dessen Zentrum ein morbider Weihnachtsbaum ist, eine Pyramide aus Schädeln. Dieses Beinhaus soll ein gigantisches Memento Mori werden. Als müsste irgendjemand in diesem Film noch zusätzlich daran erinnert werden, dass wir alle sterben werden. Kelson sieht mit seiner jodverschmierten roten Haut zwar irre aus, aber, auch wie so oft im Horrorfilm, beherbergen die Wahnsinnigen den letzten Rest Vernunft. Um sich durchzuschlagen, betäubt der Arzt Infizierte, die ihn angreifen, mit Giftpfeilen aus einem Blasrohr. Irgendwann bemerkt Kelson, dass der größte und stärkste Zombie der Gegend eigentlich ganz umgänglich wird, wenn man ihn mit Opioiden versorgt. Kelson und Samson, wie der Arzt seinen neuen Zombie-Kumpel wegen seiner langen Haare und seiner großen Kraft nennt, chillen sogar zugedröhnt auf einer Wiese. Vielleicht ist dieses ganze Zombie-Zeug ja nur eine Psychose, die geheilt werden könnte?