Zeit 15.02.2026
19:55 Uhr

(+) Yaakunte: Ein Wald, der Wörter braucht


In Kenia steht die Sprache eines kleinen Volkes kurz vor dem Aussterben. Eine junge Lehrerin will das mit aller Kraft verhindern. Denn es geht um mehr als nur Vokabeln.

(+) Yaakunte: Ein Wald, der Wörter braucht
Wie eine Predigerin steht die Retterin der Sprache vor ihren Schülern. In eine schwarz-gelbe Robe gehüllt, breitet sie ihre Arme aus. Sie spricht ein Wort, ihre Schüler sagen es nach: "Siyóó" – "Wurzel". "Dímí" – "Blatt". Im kleinen, kargen Klassenzimmer erklingen die melodischen Silben in Yaakunte, der Sprache der Yaaku. Fast niemand spricht sie noch – die Lehrerin Juliana Loshiro ist eine der wenigen. Und mit 29 Jahren eine der jüngsten. Für die meisten ihrer 150 Schüler, Kinder wie Erwachsene, ist Yaakunte vor allem ein Mythos. Im Klassenzimmer steht einer von ihnen, etwa 50 Jahre alt, auf und erzählt, dass seine Großeltern gestorben seien, bevor er die Sprache von ihnen lernen konnte. Seine Mutter habe kein Yaakunte beherrscht. "Wir haben uns selbst verloren."