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24.01.2026
05:47 Uhr
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Der Psychoanalytiker und Therapeut Wolfgang Schmidbauer über stereotype Elternbilder, verfestigte Kränkungen und die Kunst, als Erwachsener Frieden zu schließen

Viele Menschen sind überzeugt, dass an den Problemen, die sie im Leben haben, ihre Eltern schuld sind. Weil sie wenig da waren, weil sie übergriffig waren oder emotional inkompetent. Woher kommen diese klaren Zuweisungen? Wo man doch weiß, dass Menschen viele Eigenschaften haben – und bestimmt nicht nur negative? In unserer Serie "Familienrat" erklärt der Münchner Psychoanalytiker und Therapeut Wolfgang Schmidbauer, warum es oft so schwer gelingt, sich von den Zuschreibungen von Gefühlen zu befreien. DIE ZEIT: Manche Menschen erzählen von ihren Eltern in verblüffend holzschnittartigen Bildern: "Meine Mutter war kalt", "Mein Vater war abwesend", "Bei uns gab es nur Wut". Als hätten ganze Kindheiten nur aus einem einzigen Gefühl bestanden. Wie entstehen solche Wahrnehmungen?