|
28.02.2026
07:59 Uhr
|
Eben war noch alles weiß verschneit, man konnte lesen und hatte seine Ruhe. Mit dem Frühling geht das ganze Generve wieder los. Und jeder Hanswurst steigt aufs Fahrrad.

In der Reihe "Die Pflichtverteidigung" ergreifen wir das Wort für Personen, Tiere, Dinge oder Gewohnheiten, die mehrheitlich kritisiert und abgelehnt werden. Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 09/26. Ungefähr seit Donnerstag ist es wieder da. Dieses Lächeln auf allen Gesichtern. Vogelgelärm schon am frühen Morgen, gut gelaunt krähen die Amseln ihre altbekannten Neuigkeiten von Baum zu Baum während wir schlafen wollen. Erste kurze Hosen laufen rum. Sogar Sandalen trauen sich raus. Wohin jetzt mit all der schlechten Laune? Worüber am Morgen klagen? Wir hatten uns gerade an diesen herrlich kalten, weißen Stillstand gewöhnt. All der Schmutz der Welt, bedeckt von Eis und Schnee. Man hätte das herannahende Unheil ahnen können, als es zu tauen begann und die Stadt Berlin bei einem märchenhaft günstigen Splitt-Schlussverkauf Unmengen von schwarzem Kies aufgekauft hatte, der bergeweise auf das verschwindende Weiß geworfen wurde. Jetzt liegen die Straßen der Stadt statt unter zartem Weiß unter hartem Schwarz begraben. Und kein Schnee wird dies in den nächsten Monaten wieder freundlich verhüllen. Fahrradfahrer stürzen in splittglatten Kurven. Erste Krankenhäuser melden irgendwas.