Zeit 07.02.2026
06:36 Uhr

(+) Windkraft im Osterzgebirge: Wind ist gesät, Sturm zieht auf


Die Energiewende bringt Frust nach Dippoldiswalde bei Dresden. Die Bürgermeisterin kämpft gegen Windmühlen. Zahlt die Demokratie den Preis für mehr Klimaschutz? 

(+) Windkraft im Osterzgebirge: Wind ist gesät, Sturm zieht auf
Und es bewegt sich doch. Heute zumindest. Kerstin Körner macht in ihrer Liste ein Kreuz bei "dreht". Auch in den Spalten "steht" und "dreht ganz langsam" sind Kreuze. Durch das Fenster des Rathauses hat die Oberbürgermeisterin von Dippoldiswalde bei Dresden die Rotoren fest im Blick. Sie sagt: "Solange das Windrad mehr Urlaubstage hat als ich, werde ich keiner weiteren Anlage zustimmen." Das Problem ist nur: Niemand fragt bei diesem Thema eine Bürgermeisterin. Auch die Bürger fragt keiner, wenn eine neue Anlage errichtet werden soll. Windräder haben Vorfahrt, weil Energiewende und Klimaschutz Vorfahrt haben, so hat es die Ampelkoalition 2022 beschlossen. Die Restriktionen sind seitdem minimal: Grenzwerte für Lärm, Schattenwurf und Naturschutz müssen eingehalten werden, das prüft der Landkreis. In Sachsen sind 1.000 Meter Mindestabstand zu Wohnhäusern vorgeschrieben. Ansonsten gilt: Windkraft liegt laut Erneuerbare-Energien-Gesetz "im überragenden öffentlichen Interesse". Für die Demokratie vor Ort allerdings kann das überragenden Ärger bedeuten. Muss sie diesen Preis zahlen für den Schutz des Klimas?