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30.11.2025
14:33 Uhr
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1949 wagen Jugendliche aus Altenburg einen spektakulären Akt des Widerstands gegen die Diktatur in der DDR. Sie rechnen bis zum Schluss nicht mit der Höchststrafe.

Das Sowjetische Militärtribunal mit der Nummer 48.240 ist berüchtigt für seine vielen Todesurteile. Es tagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der zum Gerichtssaal umfunktionierten Kapelle des Weimarer Gefängnisses. Der Raum ist mit rotem Tuch ausgekleidet, dahinter verbirgt sich, hoch über dem Richtertisch, ein Jugendstilfries zu dem Bibelvers "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid"; ein großes Stalin-Porträt hängt an der Wand. Es ist der 13. September 1950. In den Bankreihen vor dem Richter sitzen zwölf Männer und drei Frauen, die heute, nach sechs Verhandlungstagen ohne Verteidiger und mehreren Monaten in sowjetischer "Untersuchungshaft", verurteilt werden sollen. Den Angeklagten, größtenteils junge Erwachsene aus der thüringischen Kleinstadt Altenburg und Umgebung, werden unter anderem "Spionage", "illegale Gruppenbildung" und "antisowjetische Propaganda" vorgeworfen.