Zeit 22.12.2025
19:08 Uhr

(+) Weihnachten mit der Familie: Wenn Weihnachten nicht ein bisschen traumatisiert, läuft was falsch


Meine Kinder werden irgendwann vermutlich erzählen, dass die Feiertage mit mir anstrengend waren. Wie ich es über meine Eltern auch erzähle. Sorry, es muss genauso sein.

(+) Weihnachten mit der Familie: Wenn Weihnachten nicht ein bisschen traumatisiert, läuft was falsch
Weihnachten in meiner jüdischen Kindheit und Jugend hatte stets etwas Unberechenbares. Mal erfuhren wir erst in der Hotellobby, dass wir überhaupt feiern würden, weil das All-inclusive-Buffet am Abend plötzlich unter dem "Holy Night"-Motto stand. Ein anderes Jahr tauchte eine Freundin meiner Eltern auf, deren Leben damals etwas in Schieflage geraten war, und wir tranken über den Abend hinweg eigentlich nur Ahoj-Brause mit Wodka, während mein Vater Stille Nacht, heilige Nacht summte. Meine Schwester nennt diese Weihnachten unserer Kindheit traumatisch, weil die Art, wie wir sie feierten, uns so zuverlässig von allen anderen Münchner Kindern unterschied. Das Judentum meines Vaters bot ebenfalls wenig Halt: Wenn meine nichtjüdische Mutter die Chanukka-Kerzen anzündete, setzte mein Vater sich eine Papierserviette als Kippa auf den Kopf.