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22.12.2025
15:54 Uhr
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Weihnachten ist die Zeit des Aufbruchs, so sah das nicht nur Hannah Arendt. Über eine Botschaft, die in diesem Jahr eine besonders gute ist.

Das neue Jahr beginnt wie immer am 24. Dezember. Und nichts spricht dagegen, die Wunderkerzen und Raketen schon am Heiligabend auszupacken. Mag ja sein, dass Weihnachten noch immer als Fest der Stille und Besänftigung gilt. Das ist ein zimtiger Irrtum. In Wahrheit ist Weihnachten ein Fest des Aufbruchs und der Befreiung: Endlich vergeht das Alte! Endlich soll, darf und kann etwas ganz anderes beginnen! Weihnachten, so sah es die Jüdin Hannah Arendt, ist der Anfang des Anfangs, neuer als jedes Neujahr. Denn was wird da gefeiert? Für Christen, klar, ist es die Geburt des Erlösers, im Stall, bei Ochs und Esel, wird der ewige Gott zum vergänglichen Menschen, er zeigt sich ungeschützt und verletzlich. Eine verrückt paradoxe Botschaft: dass der Allmächtige seine Größe dadurch beweist, dass er sich säuglingsklein macht und also rührend ist und anrührbar wird. Auch kirchenferne Menschen dürfen sich darüber wundern: dass Christen nicht das Ewige und Unantastbare ins Zentrum ihres Glaubens rücken. Sondern den Augenblick des Zur-Welt-Kommens und der Arglosigkeit. Weihnachten meint ebenjenen unerhörten Augenblick eines jeden Menschen, in dem alles möglich scheint. Einen Moment größter Offenheit.