|
06.01.2026
17:32 Uhr
|
Was Donald Trump in Venezuela anrichtet, bringt uns alle in ein moralisches Dilemma. Wie man sich da eine Haltung zulegt

Es gibt Zeiten, die von einem Satz des Schriftstellers Gotthold Ephraim Lessing mitten ins Herz getroffen werden: "Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat gar keinen zu verlieren." Die "gewissen Dinge" stehen allen in brutaler Klarheit vor Augen, es sind die friedlosen Verhältnisse, es ist die Wiederkehr der Gewalt als Mittel der Politik. Gewiss, die globale Gewalt war nie verschwunden, immer gab es Kriege und Bürgerkriege, Spezialoperationen, Aufstände, Systemwechsel und apokalyptische Terroranschläge. Zugleich aber lagerte in der mentalen Hausapotheke ein bewährtes Beruhigungsmittel, eine Geschichtsphilosophie, die verhindern sollte, dass jemand den Verstand verlor. Sie lautete: Ja, die Lage ist schlimm, doch alles wird gut. Die globalen Konflikte sind Weltordnungskämpfe und Kriege die Vorstufen des künftigen Friedens.