Zeit 12.01.2026
20:37 Uhr

(+) Übermäßiger Medienkonsum: Wir scrollen uns ins Koma


Je länger, je tiefer, je wilder wir uns im Netz treiben lassen, desto mehr wird unsere Freizeit zur Unfreizeit. Dabei ist jedes bisschen Aufmerksamkeit immer wertvoller.

(+) Übermäßiger Medienkonsum: Wir scrollen uns ins Koma
Wenn ich realisiere, dass ich mal wieder am Handy versackt bin, hilft mir meist nur noch eins: Drei Mal schnell hintereinander den Knopf rechts oben am Bildrand drücken, sodass das Display in den Schwarz-Weiß-Modus schaltet, und das Telefon zwei Meter neben mich aufs Bett werfen. Erscheinen die Apps und Websites in Schwarz-Weiß wie eine alte Zeitung, schrumpft ihre Anziehungskraft auf mich. Die räumliche Distanz verhindert, dass ich das Gerät im nächsten Moment wieder in den Farbmodus stelle und mich ihm erneut hingebe. Zu lange am Handy rumdaddeln – das heißt im Fachjargon Binge-Scrolling. Binge spricht man ungefähr aus wie den beliebten Ostseeort Binz auf Rügen, nur mit "sch" statt "z" am Ende. Das englische Wort heißt ins Deutsche übersetzt Exzess oder Gelage. Scrolling ist das, was man üblicherweise auf einer Internetseite oder in einer App macht, um nach oben oder unten zu navigieren; am Computer in der Regel mit dem Mausrädchen, an Smartphones und Co. mit dem Daumen oder dem Zeigefinger.