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10.02.2026
12:55 Uhr
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Die US-Regierung missachte bewusst geltendes Recht, sagt Emmanuel Mauleón, Juraprofessor in Minneapolis. Weil er sich öffentlich äußere, erhalte er täglich Drohungen.

Emmanuel Mauleón ist Professor für Recht an der University of Minnesota. Er forscht unter anderem zu Polizeigewalt und Critical Race Theory. DIE ZEIT: Herr Mauleón, auch in Deutschland herrscht großes Entsetzen über die brutale Vorgehensweise der US-Einwanderungsbehörde ICE. Oft scheint es, als könnten die Beamten tun und lassen, was sie wollen. Ganz grundsätzlich: Wen darf ICE warum festnehmen? Emmanuel Mauleón: ICE ist berechtigt, eine Person, die keinen gültigen Aufenthaltstitel hat, auf Grundlage einer Abschiebeanordnung festzunehmen. Allerdings beruht eine solche Festnahme meist auf sogenanntem probable cause – also auf einem bloßen hinreichenden Verdacht. Das ist eine niedrige Beweishürde. Und der normale Ablauf – jedenfalls so, wie es in unserem Rechtssystem gedacht ist – wäre dann, dass diese Person die Möglichkeit hat, vor einen Einwanderungsrichter zu kommen und sich zu verteidigen: warum sie nicht abgeschoben werden kann oder warum die Festnahme womöglich in irgendeiner Weise rechtswidrig war.