Zeit 05.03.2026
12:04 Uhr

(+) Tsukune: Buletten in japanischer Perfektion


Wenn Japan sich ein Gericht vornimmt, wird es kompromisslos perfektioniert. Das gilt selbst für simple Fleischklößchen: So werden sie runder, tiefer, üppiger.

(+) Tsukune: Buletten in japanischer Perfektion
Es war ein Abend in Fujikawaguchiko, mit Blick auf den Mount Fuji, für das Abendessen wollten wir uns treiben lassen. Einfach irgendwo einkehren, wo es gut riecht und noch ein Platz frei ist. Nur: Japan war voll. Der erste Laden geschlossen, der zweite ebenso, der dritte zwanzig Minuten Fußweg entfernt und bei Ankunft mit einem deutlichen "voll besetzt" versehen. Die Kellnerin drückte uns immerhin zum Trost Mandarinen in die Hand, verbeugte sich und wünschte uns "Good luck!" Gerade als wir umdrehen wollten, entdeckten wir ein Licht in der Dunkelheit. Vor der Tür rauchte ein Mann, drinnen saßen ein paar Gäste. Auf dem Schild stand "Closed", wir fragten trotzdem. Er verschwand kurz im Inneren, kam zurück und winkte uns herein. Drinnen standen Blumengebinde mit Schleifen. "Alles Gute zur Neueröffnung", las ich die Übersetzung auf meinem Handy. Das kleine Izakaya, eine Art japanischer Gastropub, hatte offiziell noch gar nicht offen. Man feierte an jenem Abend im Freundeskreis eine Voreröffnung. Wir fühlten uns wie Eindringlinge und wollten gehen, aber man bat uns, zu bleiben. Was dann kam, war das beste Essen seit unserer Ankunft. Hausmannskost, Kartoffelsalate, Gegrilltes, sorgfältig zubereitet, alles auf den Punkt. Und Tsukune: saftige Klopse aus Hähnchenhack, mit einer dunklen, intensiven Soße bestrichen und mit Sojasoße und rohem Eigelb serviert. Mischt man beides, legt sich die Soße um das Fleisch wie ein Mantel, macht es runder, tiefer, fast üppig. Ich konnte mich nur mit einem Satz und einer tiefen Verbeugung bedanken: "Totemo oishii desu." Sehr lecker. Manchmal liegt das Glück eben hinter einer Tür, auf der "Geschlossen" steht.