Zeit 16.12.2025
09:50 Uhr

(+) Totengräbertreffen in Bayern: Feier des Lebens


In Bayern treffen sich seit 40 Jahren Totengräber und Leichenfrauen. Die Stimmung ist stets prächtig.

(+) Totengräbertreffen in Bayern: Feier des Lebens
Die Blasmusik schmettert, Männer und Frauen marschieren heiter vorbei an Bauernhäusern, sie tragen Trachtenhüte mit Edelweiß-Ansteckern oder Dirndl, über die sie ihre Janker gezogen haben. In der zwiebeltürmigen Barockkirche schieben sie sich in die hölzernen Sitzreihen, während Pfarrer Nikolai zum Requiem grüßt. "Geschätzte Totengräber", sagt der graubärtige Mann im Messgewand, "hoppla, schon wieder Kirchweihmontag. Alle Jahre wieder: Man trifft sich, man kennt sich. Und selten ist es so lustig wie bei euch." Seit mehr als 40 Jahren findet es bereits statt, das Totengräbertreffen in Oberbayern. Jedes Jahr in einer anderen Gemeinde, diesmal in Seehausen am Staffelsee; ein Dorf mit rund 2.500 Einwohnern, vielen Kühen und herrlichem Alpenpanorama. Mehr als hundert Menschen sind angereist, Totengräber, Leichenwagenfahrer, Leichenfrauen. Erst das Weißwurstfrühstück unten am Seebad, dann Trachtenzug und Gottesdienst, schließlich die Feier in der Dorfwirtschaft. Viel Bier wird fließen, es wird gefachsimpelt über die neuesten Trends der Bestattungskultur, und am Ende erzählt man sich zotige Totengräberwitze. Doch wie ist es eigentlich, tagtäglich Gevatter Tod über den Weg zu laufen? Leichen zu waschen, Gräber auszuheben und, ja, auch Freunde und Verwandte zu vergraben?