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18.11.2025
20:31 Uhr
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Besonders Männer kennen es auf öffentlichen Toiletten: Sobald andere in der Nähe sind, läuft nichts mehr. Was hinter dem Tabu steckt und vor allem: wie es verschwindet.

Eine Universitätstoilette in den 1970er-Jahren im Mittleren Westen der USA: Ein Mann tritt an eines von drei Pissoirs. Kurz darauf kommt ein fremder Mann hinzu und stellt sich daneben. Versteckt in einer Kabine sitzt ein Beobachter und verfolgt das Geschehen – im Auftrag der Forschung. Die Feldstudie soll prüfen, ob sich Männer beim Pinkeln am Pissoir von anderen stören lassen und ob es dabei auch auf den Abstand zwischen ihnen ankommt. Zu diesem Zweck hatten die Wissenschaftler eines der drei Urinale mit Putzzeug belegt. Mal blieben so nur die beiden äußeren, mal nur die beiden benachbarten Urinale frei. Die Stoppuhr des versteckten Beobachters zeigte: Je näher der Fremde stand, desto mehr Zeit brauchte der nichts ahnende erste Mann nach dem Öffnen der Hose, bis er sich tatsächlich erleichtern konnte. Waren sie allein, benötigten die unfreiwilligen Probanden im Mittel 4,9 Sekunden. In Gesellschaft, aber mit einem Urinal Abstand, waren es schon 6,2 Sekunden und mit dem Fremden am Nachbarurinal 8,4 Sekunden. Der soziale Stress verzögerte die Entspannung des Blasenschließmuskels, erklären die Forscher 1976 im Fachmagazin Journal of Personality and Social Psychology.