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19.11.2025
15:23 Uhr
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Gerade wurde das Goldklo des Künstlers Maurizio Cattelan für über 12 Millionen US-Dollar versteigert. Doch die Toilettenbegeisterung der Kunstwelt greift tiefer.

Raus aus dem Museum, rein in die Herrentoilette! Für die kubanische Künstlerin Tania Bruguera steht schon seit Längerem fest, dass die Kunst für irgendetwas gut und in jedem Fall nützlich sein müsse. Und was könnte dringlicher, notwendiger, essenzieller sein als die menschliche Notdurft? Schon deshalb sollte unbedingt auch eines der bekanntesten Werke des 20. Jahrhunderts, das Pinkelbecken von Marcel Duchamp, wieder zu dem werden, was es seinem Wesen nach ist: ein Sanitärartikel zum Zwecke der Erleichterung. Die Museen waren, wen wundert's, nicht sonderlich begeistert von der Idee. Doch immerhin fand Brugueras aktivistisches Denken einige Mitstreiter im Geiste, den Künstler Maurizio Cattelan zum Beispiel. 2016 ließ er ein Klo aus 18-karätigem Gold anfertigen, und nein, er stellte es nicht auf einen Sockel. Vielmehr ließ er in New York, im Guggenheim Museum, einen Klempner kommen, der eine vorhandene Toilette aus- und Cattelans Werk einbaute, damit es von den Besuchern artgerecht genutzt werden konnte. Mehr als 100.000 Menschen nahmen Cattelans temporäres Angebot an und machten aus der Kunst eine Bedürfnisanstalt. Nie war Luxus so scheiße, nie waren sich Kunst und Kacka näher als hier.