|
07.03.2026
06:06 Uhr
|
Teilen ist toll, und Kinder müssen das mitunter schmerzhaft lernen. Aber ist das schon ein Akt emotionaler Gewalt? Manche behaupten das – und genau da liegt das Problem.

Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 10/2026. Neulich hatte ich eine Nachricht von einer Mutter in meinem Postfach: "Was hältst du von diesem Video?" Ich öffnete den Link. Es war ein Video, wie ich es schon tausendfach mit leicht anderen Worten von unterschiedlichen Erstellerinnen gesehen habe, meistens sind es Erziehungscoaches. Eine Mutter und Elterninfluencerin informierte über das Thema Teilen. Oder genauer gesagt: darum, es nicht zu tun. Sie schilderte eine Situation auf dem Spielplatz: Ein Kind sitzt auf einer Schaukel und schaukelt so lange, bis es selbst entscheidet, dass es genug ist. Die anderen Kinder müssen warten. Als Mutter des Kindes spüre man da den Druck, das Kleine zu drängen, Platz zu machen, weil die anderen auch schaukeln wollen. Stattdessen solle man widerstehen und das eigene Kind so lange schaukeln lassen, bis sein Bedürfnis gestillt sei. Es fallen Begriffe wie "emotionaler Schutz deines Kindes", "Pflichtgefühl, von anderen gemocht zu werden" und "getriggertes inneres Kind".