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31.05.2026
14:34 Uhr
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Ohne Tattoo ist wie ein Flashback zur politischen Mitte der Bonner Republik: keine Experimente. Vielleicht sollte man sich wenigstens ein kleines Motiv stechen lassen.

Kaum bricht die Sonne durch, verwandelt sich der öffentliche Raum wieder in ein Open-Air-Tattoostudio. Ob man will oder nicht, überall sieht man bunte Bekenntnisse: Rose auf dem Unterarm, Totenkopf auf der Wade, Reichskriegsflagge auf dem Oberarm, Drache auf der Schulter, Kreuz am Hals, Mandala auf dem Rücken, Runen auf den Fingern, chinesisches Schriftzeichen auf der Brust, Geweih am Arsch, eine Schlange, die aus dem letzten bedeckten Körperteil hervorkriecht – und natürlich die Erinnerung an Bali 2017, eingespritzt mit ruhigen Händen und einer spitzen Nadel in die mittlere Hautschicht. Mit dem Frühlingserwachen in Klimawandelzeiten wird das menschliche Fleisch zur Galerie, der Gehsteig zum Grand Opening des befleckten Körpers und die Liegewiese zur horizontalen Wandmalerei – kuratiert von der UV-Strahlung und dem Glauben an die ewige Faltenlosigkeit der eigenen Haut.