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17.02.2026
18:50 Uhr
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Wie bereitet sich die Bundeswehr auf den Ernstfall vor? Marie Wilkes Dokumentarfilm "Szenario" auf der Berlinale zeigt, wie in einer Modellstadt der Ernstfall geübt wird.

Krieg ist der Ernstfall, vorbereitet wird er aber im Spiel. "So, jetzt die offene Unterschenkelfraktur", sagt eine Maskenbildnerin zu Beginn von Marie Wilkes Dokumentarfilm Szenario, der auf der Berlinale in der Sektion Forum läuft. Wir sehen der Frau in Tarnfleck-Uniform bei der Arbeit zu. Gerade hat sie einem Statisten eine blutige Wunde am Kopf geschminkt, nun geht es bei der nächsten Person darum, den besagten Bruch zu simulieren. Szenario ist eine Bundeswehrbeobachtung in Zeiten von Aufrüstung und Wehrpflichtdebatten. Am meisten überrascht dabei, wie groß die Nähe zum Theater ist, wie sehr das Reden über Proben, Darstellung und Inszenierungen zum Sprachgebrauch der Militärs gehört. Da steht ein Oberst Diehl nach der russischen Vollinvasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 in einem Auditorium und reagiert in seinem Vortrag auf die veränderte Weltlage. Das Scholz-Wort von der "Zeitenwende" illustriert der Militär mit den Übungen, die seine Truppen absolvieren: "Meine Soldaten haben hier beim Rollenspiel afghanische Warlords dargestellt, Taliban." Das sei etwas grundsätzlich anderes, als in einer Konfrontation mit Russland zu stecken, wo es wieder um Landesverteidigung und Angriffskriege geht.