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15.12.2025
19:42 Uhr
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Norbert Henke hat 31 Jahre im Strafvollzug gearbeitet und drei Gefängnisse geleitet. Jetzt erzählt er: von Drogen, Suiziden, Hierarchien und Angriffen auf Bedienstete.

ZEIT Verbrechen: Herr Henke, Sie haben vor Ihrer Pensionierung 2020 dreimal eine Justizvollzugsanstalt geleitet. Landläufig würde man Sie wohl einen Gefängnisdirektor nennen. Sie selbst bezeichnen sich als ehemaligen Anstaltsleiter. Empfinden Sie den Gefängnisdirektor als abschätzig? Norbert Henke: Es ist schon eine eher antiquierte Bezeichnung, die ich aber nicht als abschätzig empfinde. Anders ist es mit den Bezeichnungen, die häufig für die Beamten des allgemeinen Vollzugsdienstes benutzt werden: Ein Ausdruck, der von den Gefangenen kommt, ist Schließer. Der reduziert die Mitarbeiter auf den Schließvorgang und ist auch despektierlich gemeint. Die Bezeichnung Aufseher verkürzt die Aufgaben der Mitarbeiter auf den reinen Sicherheitsaspekt, das haben wir auch nicht so gern. Und was ebenfalls oft verwendet wird, ist das Wort Wärter. Das hat aber ein Geschmäckle, das klingt ein bisschen nach Zoo. Man sagt also "die Vollzugsbeamten". Zu meiner aktiven Zeit haben wir immer gescherzt, wir müssten mal einen Wettbewerb veranstalten, um einen vernünftigen Begriff zu finden, der nicht so sperrig ist.