|
14.01.2026
18:42 Uhr
|
Ein Baby zu stillen, soll die natürlichste Sache der Welt sein. Nicht unbedingt, denn das Narrativ um die Mutterbrust dient vor allem dazu, Frauen unter Druck zu setzen.

Auf der Wochenbettstation packt ein Pfleger meinen Busen in die eine Hand, quetscht ihn an wie eine halbe Zitrone, nimmt den Kopf meines Babys in die andere Hand und drückt beides so lange zusammen, bis Baby und Busen aneinander kleben bleiben. Das Seltsame ist: Ich finde das gar nicht seltsam. Mit dem Milcheinschuss verliert sich der letzte Spritzer Schamgefühl. Ich bin nicht nackt, ich bin das Bonding-Buffet. Beim Stillen verlieren Mütter an Relevanz. Sie verschwinden im Dickicht aus Säugetiererbe, Hochleistungskuh und Ernährungsmaschine. Manchmal sagte ich mir, dass es meine Superkraft ist, eine reichhaltige Milch voller Vitamine und bioaktiver Stoffe herzustellen, und folglich auch, dass es mein uneingeschränktes Recht ist, mein Baby mit meinen Brüsten zu ernähren. Jederzeit. Überall. Ohne abwertende oder lüsterne Blicke.