Zeit 02.12.2025
05:27 Uhr

(+) Sozialwohnung: Sie verdienen zu gut für eine Sozialwohnung – aber ziehen nicht aus


Bezahlbarer Wohnraum fehlt überall. Und in Sozialwohnungen? Leben Gutverdiener. Wie sie dort reinkommen. Und warum die Bundesbauministerin sie wieder rausholen will.

(+) Sozialwohnung: Sie verdienen zu gut für eine Sozialwohnung – aber ziehen nicht aus
Die Wohnungsanzeige weckt mindestens Aufmerksamkeit, bei vielen vermutlich auch Neid: "Tausche tollen Altbau mit Dielen und Stuck im Prenzlauer Berg, 70 Quadratmeter, 670 Euro warm," schreibt eine Frau auf Facebook. Die Marktmiete für eine vergleichbare Wohnung liegt mindestens doppelt so hoch. Wie kann das sein? Ganz einfach: Das Tauschangebot ist eine Sozialwohnung. Die Mieterin sucht einen Tapetenwechsel, "gerne mit Balkon". Und, wichtig: Die neue Wohnung solle "ohne WBS" sein. WBS steht für Wohnberechtigungsschein. Dieser ermöglicht es Menschen mit geringem Einkommen, eine Sozialwohnung zu mieten. Vor über zehn Jahren zog die Mieterin hier ein. Heute, mit höherem Einkommen, würde sie keinen WBS mehr erhalten. Trotzdem wohnt sie hier weiterhin günstig und: ganz legal. Fast jeder zweite Mieter einer Sozialwohnung verdiene womöglich zu viel, um dort zu wohnen, haben Experten des unternehmernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) einmal geschätzt.