Zeit 17.12.2025
19:28 Uhr

(+) Rosa von Praunheim: Noch höre ich dich


Der Filmemacher Rosa von Praunheim ist gestorben. Die Regisseurin und Autorin Julia von Heinz war lange mit ihm befreundet. Sie hat ihm nun diesen Brief geschrieben.

(+) Rosa von Praunheim: Noch höre ich dich
Liebster Rosa, noch am Freitag hast du geheiratet. In pinker Ballonseide, umgeben von deiner Wahlfamilie, hast du Olli das Ja-Wort gegeben und diesen wundervollen Anlass bis spät in die Nacht gefeiert. Du sahst bei deiner Hochzeit jünger aus als wir alle. Am Vortag noch war die Rohschnittabnahme deines letzten Filmes, in der Woche zuvor eine Kinopremiere, und gestern erst erzähltest du mir von den vier Filmideen, die du deinem Redakteur nächste Woche vorstellen wirst. Seit ich dich vor 20 Jahren kennenlernte, hast du stets mindestens fünf Filmideen im Kopf, immer wird ein Film gerade geschnitten, einer hat Premiere und der nächste ist schon in Planung. Du bist immer rege, neugierig und frei von Urteilen, wenn du Menschen gegenübertrittst, als Regisseur und als Freund. Alles darf sein, niemand wird nach seinem Status und nach seiner Wichtigkeit beurteilt. Und immer gehört dein Herz den Suchenden, denen, die mühsam um ihren Platz kämpfen, denen, die am Rand stehen. Du hast nichts mehr geliebt und gefördert, als diese Suche, das Zweifeln – und das Glück, das Unglück in Kreativität und Kampfgeist zu verwandeln. Das hast du von uns allen immer verlangt: dass wir nicht aufgeben und nicht jammern, sondern machen. Machen war dein wichtigster Ratschlag. Schreiben, malen, filmen, anstatt zu warten und über die letzte Absage zu trauern. Aufstehen und mit Freunden etwas inszenieren, einen Handyfilm über die Familie drehen, Gedichte schreiben und veröffentlichen! Hauptsache weitermachen.