Zeit 02.02.2026
15:07 Uhr

(+) Rita Süssmuth: Sie hielt das C in der CDU lebendig


Ob Debatten um Aids, berufstätige Mütter oder Migration: Rita Süssmuth hatte einen klaren Kompass. Und modernisierte so das Land auch gegen Widerstand der eigenen Partei.

(+) Rita Süssmuth: Sie hielt das C in der CDU lebendig
Annette Schavan, 70, war von 2005 bis 2013 Bundesministerin für Bildung und Forschung. Hier schreibt die ehemalige CDU-Politikerin über ihre verstorbene frühere Parteikollegin und Freundin Rita Süssmuth. Rita Süssmuth war eine Kämpferin und überzeugt davon, dass sich ändern lässt, was zu ändern ist. Einwände wischte sie nicht vom Tisch, sie wurden stattdessen diskutiert. Manchmal lange Nächte hindurch, in denen sie ihr Team davon überzeugte, dass sich der Kampf lohnt. Sprunghaftigkeit war ihr zuwider. Die vorherrschende Meinung war für sie vor allem Grund zu kritischer Rückfrage. Sie vermutete dahinter oft Gedankenlosigkeit und glaubte fest daran, dass es die Aufgabe der Politik ist, Gedankenlosigkeiten zu benennen und nicht zu übernehmen. Sie redete niemandem nach dem Mund. Rita Süssmuth erwartete in öffentlichen Debatten Redlichkeit und Menschenfreundlichkeit. "Mein Vertrauen in die Tatkraft des Menschen ist stärker als meine Kritik an seiner Unvernunft", schrieb sie in ihrem Buch Über Mut im Jahr 2024. Die Titel ihrer Bücher haben es in sich. Darunter finden sich solche wie: Frauen – der Resignation keine Chance, Aids – Wege aus der Angst, Wer nicht kämpft, hat schon verloren und Das Gift des Politischen.