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09.12.2025
17:28 Uhr
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Würdevoll altern? Nicht in Deutschland. Die Pflegesituation ist hierzulande ein Desaster. Mal wieder diskutieren Politiker Reformen. Sie sollten ins Ausland schauen.

Das Versprechen vom Anfang wirkt heute wie ein schlechter Witz: Niemand sollte mehr in Armut rutschen, nur weil er oder ein Angehöriger Hilfe auf der Toilette braucht. Als die Pflegeversicherung 1995 eingeführt wurde, galt sie als soziale Errungenschaft. Sie beruhte auf der Einsicht, dass Deutschland älter wird und die Familien allein die Pflege nicht mehr tragen können. Ein solidarisches System sollte die Würde alter Menschen schützen. Drei Jahrzehnte später ist würdevoll altern in Deutschland schwieriger denn je. Denn die Zahl der offiziell Pflegebedürftigen hat sich inzwischen mehr als verfünffacht. Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland brauchen dauerhaft Hilfe beim Aufstehen, Waschen, Essen oder Denken. Dafür bekommen sie Geld aus der Pflegeversicherung. Ein Gutachter beurteilt, wie schwer die Einschränkungen wiegen, und bescheinigt einen sogenannten Pflegegrad zwischen eins und fünf. Je höher der Pflegegrad, desto mehr Geld zahlt die Pflegekasse für einen ambulanten Pflegedienst oder einen Platz im Heim. Wer durch Angehörige gepflegt wird, bekommt ebenfalls finanzielle Hilfe: das Pflegegeld. Bezahlt wird das Ganze, analog zur Krankenversicherung, aus Beiträgen, die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen. Es begann einst mit einem Prozent des Bruttolohns, heute sind es 3,6 Prozent, für Kinderlose 4,2 Prozent.