Zeit 04.03.2026
16:59 Uhr

(+) Peter Schneider: Die Stimme des Selbstzweifels


Er war ein streitbarer Public Intellectual, ein 68er, der auch seine eigenen Gewissheiten immer wieder infrage stellte. Zum Tod des Schriftstellers Peter Schneider

(+) Peter Schneider: Die Stimme des Selbstzweifels
Eine seltene intellektuelle Figur war dieser Peter Schneider, zumal für die deutsche Szene: Er war ein zentraler politischer Aktivist der Jahre 1967/68, mittendrin im Protest gegen den Schah-Besuch; er war prominent beteiligt am Internationalen "Vietnam-Kongress" in Berlin und am Springer-Boykott. Schneider nahm als Redenschreiber am Wahlkampf Willy Brandts teil ("Willy wählen"). Wie wenige andere jedoch verlief er sich nicht in den folgenden bleiernen Jahren zwischen Theorie und Terror, sondern wurde zu einem geachteten Romancier und liberalen politischen Intellektuellen, der bis kurz vor seinem Tod mit 85 Jahren immer wieder sein Publikum fand. Wäre er nicht so ein wandelbarer und suchender Autor gewesen, der sich politisch und intellektuell immer wieder neu aufstellte, man müsste ihn einen Repräsentanten nennen. Aber es gab nur wenige in der deutschen Linken, die so beweglich waren wie er. Hans Magnus Enzensberger gehörte dazu, Alexander Kluge sicher auch, der Filmemacher und Prosaist, und Michael Rutschky, der experimentelle Berliner Essayist.