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05.01.2026
17:03 Uhr
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Warum sind die Deutschen so grundpessimistisch, auch wenn es ihnen gut geht? Unser Autor begab sich auf die Suche – und fand Antworten in der Romantik und in der Familie.

Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 52/2025. Meine Familie hat ihre Wurzeln in einem kleinen Dorf in der Türkei. Meine Eltern sind dort geboren und teils aufgewachsen. Ich gehöre zu den Ersten in meiner Familie, die einen Schulabschluss an einem Gymnasium in der Tasche und eine Universität von innen gesehen haben. Ich bin nicht in Armut, aber mit wenig Geld aufgewachsen. Finanzielle Sorgen und Zukunftsängste haben meine Familie und mich bis heute begleitet. Ein Freund von mir, nennen wir ihn Julian, kennt das alles nicht. Bereits sein Vater war ein sozialer Aufsteiger. In jungen Jahren arbeitete er auf dem Bau, machte eine Lehre, studierte danach und leitete später eine ganze Abteilung von Ingenieuren. Er hat einen beeindruckenden Lebenslauf. Sein Leben wurde besser und besser und besser. Im Einklang mit dem Land ging es für seine Familie und ihn immer weiter aufwärts, mein Freund wuchs in einem wunderschönen Haus auf und hat bis heute nie Geldprobleme. Doch seit ich seinen Vater kenne, sagt er, den Deutschen gehe es immer schlechter.