|
23.12.2025
19:49 Uhr
|
Vor hundert Jahren revolutionierte Sergej Eisensteins Film "Panzerkreuzer Potemkin" das Kino. Das Meisterwerk der Propaganda machte seinen Schöpfer selbst zur Legende.

In Odessa rollt ein Kinderwagen die gewaltige Hafentreppe hinab. Die Mutter kann ihn nicht halten, sie ist soeben erschossen worden. Das Gefährt mit dem schreienden Baby wankt und springt über 192 Stufen, inmitten panischer Menschen, gefolgt von einer Schützenlinie gestiefelter Kosaken. Salve um Salve peitscht ins Volk. Die Fliehenden stürzen und sterben. Ganz unten kippt der Wagen. Das Kind ... Filmschnitt. Um das Kind von Odessa bangt die Kinowelt seit dem 21. Dezember 1925. An diesem Tag wurde im Moskauer Bolschoi-Theater Sergej Eisensteins Panzerkreuzer Potemkin uraufgeführt. "Der Applaus knatterte wie Kartätschenfeuer", so die Erinnerung des Regisseurs. Der 27-Jährige präsentierte ein hochpathetisches Drama in fünf Akten zum Jubiläum der Revolution von 1905. Diese gescheiterte Erhebung galt nach sowjetischer Teleologie als Vorspiel der Februar-Revolution von 1917 und der "Großen Sozialistischen Oktoberrevolution": Lenins Putsch zur Machtergreifung der Bolschewiki.