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23.11.2025
13:12 Uhr
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Während vor 80 Jahren die Nürnberger Prozesse begannen, schrieben einstige Nazis eine 4.000-Seiten-Anklage gegen die Alliierten. Bis heute befeuert sie rechte Propaganda.

Allein der Umfang sollte Eindruck machen: Verbrechen der Besatzer auf 4.000 Schreibmaschinenseiten, von der harmlosen Schikane bis zu Mord und Vergewaltigung. Zusammengetragen hat die Vorwürfe eine Gruppe in Darmstadt internierter Nationalsozialisten. Sie wollten die Alliierten, die in Nürnberg gerade über die nationalsozialistischen Hauptkriegsverbrecher zu Gericht saßen, auf der Anklagebank sehen. Und Nürnberg als Bühne nutzen, um die Deutschen als Opfer darzustellen. In der Nachkriegszeit gelangte das Konvolut bis nach Südamerika; einschlägige Verlage haben die darin gesammelten Vorwürfe immer wieder auszugsweise publiziert. Bis heute zehrt eine rechtsextreme Geschichtspropaganda von ihnen, die sich über Zeitschriften wie das Magazin Compact verbreitet ("Die Todeslager der Amerikaner") und auf YouTube und anderen Plattformen teils mehrere Hunderttausend Aufrufe erzielt.