|
25.12.2025
07:15 Uhr
|
Für Frauen war die Jungfrau Maria nie ein gutes Vorbild, sagt die Theologin Mirja Kutzer. Bis feministische Theologinnen begannen, Maria neu zu entdecken.

DIE ZEIT: Frau Kutzer, am Heiligen Abend gedenkt die Christenheit des Jesuskinds. Das Baby hatte aber auch eine Mutter, Maria. Sie steht mit Ochs, Esel und Josef in der Krippe unter dem Weihnachtsbaum. Was weiß man über die reale Frau, die historische Maria? Mirja Kutzer: Nicht viel. Erstens kommt sie in der Bibel gar nicht so oft vor. Und zweitens: Wenn sie prominent erscheint, also in den Schilderungen der Kindheit bei Matthäus und Lukas, dann ist sie eine theologische Projektionsfläche. ZEIT: Was heißt das? Kutzer: Ihre Darstellung ist befrachtet mit Christologie, also mit Ideen darüber, was ihr Leben oder ihr Sprechen über Jesus und seine Botschaft aussagen. Die Evangelisten hatten gar nicht das Interesse, etwas über die historische Person zu schreiben.