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06.12.2025
12:13 Uhr
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Zu Weihnachten backt meine Mutter sechs Mohnstollen, so wie einst ihre Mutter und ihre Großmutter. Ich bin noch nicht so weit, aber immerhin weiß ich jetzt, wie es geht.

Vielleicht muss man die Mohnstollen-Geschichte meiner Familie so anfangen: Einmal schickte meine Mutter einen Mohnstollen nach Argentinien. Dort lebte mein Bruder, und obwohl es in Buenos Aires an Weihnachten heiß und schwül ist, mochte er auf seinen Stollen nicht verzichten. Also packte meine Mutter ihn in ein Paket, mit Plätzchen und Geschenken. Als es in Buenos Aires ankam, war es äußerlich unversehrt – aber der Stollen fehlte. Mein Bruder schickte eine aufgebrachte Warnung an seine Arbeitskollegen, die alle auf Weihnachtspost aus Deutschland warteten: Passt auf, es scheint so zu sein, als ob aus Paketen geklaut würde! Der Rest der Familie rätselte: Wieso und wie hatten die argentinischen Zoll- oder Postbeamten ausgerechnet den Stollen herausgefischt? Während wir uns vorstellten, wie Javier Milei unter dem Weihnachtsbaum den Stollen meiner Mutter mit der Kettensäge zerteilte, buk meine Mutter einen neuen und schickte ihn nach Argentinien. Damit war die Geschichte nicht zu Ende. Aber dazu später mehr.