Zeit 17.01.2026
13:59 Uhr

(+) Mercosur-Freihandelsabkommen: Zu spät, zu halbherzig


Die EU und die Mercosur-Staaten haben endlich einen Freihandelsvertrag unterzeichnet. Es wäre viel mehr möglich gewesen. Doch Europa war zu träge.

(+) Mercosur-Freihandelsabkommen: Zu spät, zu halbherzig
Es sagt viel darüber aus, wie zäh das Zustandekommen eines Vertrags war, wenn er erst dann zustande kommt, wenn die einst Beteiligten längst im Ruhestand oder bereits gestorben sind. Als die Europäische Union im Juni 1995 mit den Mercosur-Staaten vereinbarte, einen Freihandelsvertrag anzustreben, hießen die Präsidenten von Argentinien, Uruguay, Paraguay und Brasilien Carlos Menem, Julio Sanguinetti, Juan Carlos Wasmosy und Fernando Henrique Cardoso. Menem ist nicht mehr am Leben, die anderen sind weit über 80. Mehr als ein Vierteljahrhundert später liegt nun ein Freihandelsvertrag vor, auf den sich beide Seiten gerade so einigen konnten. Nun mag man sagen, am Ende hat es doch noch geklappt. Am Samstag wird Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in der paraguayischen Hauptstadt Asunción den Freihandelsvertrag unterzeichnen. Aber was zwischen den komplexen Paragrafen steckt, ist nicht der unverrückbare Wille Europas, in Südamerika etwas Neues zu beginnen, sondern Skepsis und Zweifel. Im EU-Ministerrat gab es gleich fünf Gegenstimmen. Frankreich, Irland, Österreich, Ungarn und Polen lehnen das Abkommen mit insgesamt 3.929 Seiten ab.