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20.01.2026
18:14 Uhr
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In Zürich wird Menstruationsblut zum Beweis dafür, dass die Medizin bisher etwas Wichtiges übersehen hat. Ein Forschungsteam will das mit einem Papierstreifen ändern.

Im Labor der ETH Zürich, einem hellen Bau aus Holz und Glas, soll die Medizin gerechter werden. Etwa zwanzig Studierende arbeiten konzentriert an ihren Projekten, manche in weißen Kitteln, manche vor Laptops, zwischen ihnen Kabel, Messgeräte, Reagenzgläser. An einem der Tische steht Lucas Dosnon, 29, mit Smartwatch und Sneakern. Der Doktorand beugt sich über den Prototyp seines bislang größten Projekts. Was eine Revolution sein soll, sieht unscheinbar aus. Neben einer Menstruationsbinde liegt ein Pappstreifen, kaum länger als ein Streichholz. Der Streifen ist eingeschlossen in eine weiche, durchsichtige Silikonhülle mit einem winzigen Loch. Der Prototyp von MenstruAI, so heißt das Projekt, erinnert an einen Covid-Test. Er soll während der Periode, in eine Binde integriert, getragen werden, erklärt Lucas. Und so funktioniert er: Durch das Loch fließt Blut auf den Streifen, der die roten Blutkörperchen herausfiltert und Proteine auffängt, sogenannte Biomarker. Sie liefern Hinweise auf Entzündungen, Hormonveränderungen oder genetische Mutationen. Nach der Blutung sollen die Nutzer:innen den Streifen mit einer App fotografieren. Eine künstliche Intelligenz erkennt feine Farbverläufe, die für unsere Augen kaum sichtbar sind, und wertet sie aus. Lucas und sein Zürcher Team könnten damit Hinweise auf Krankheiten wie Endometriose, Morbus Crohn oder Krebs entdecken. Und sie könnten damit einen Bereich der Medizin erhellen, der bis heute oft übersehen wird: die Gesundheit weiblicher Körper.