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24.02.2026
16:03 Uhr
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Klar ist man von der eigenen Meinung überzeugt. Was denn sonst? Nun ja: Die psychologische Forschung zeigt: Besser lebt es sich, wenn man öfter mal innehält und zweifelt.

Mit der eigenen Meinung ist es vertrackt. Man selbst ist sich sicher (ganz sicher!), dass sie die Krönung der Schöpfung ist, also mindestens. Und dann, mit etwas Abstand, blickt man drauf und denkt mal: Ja, stimmt, seh ich heute noch so. Oft aber auch: Wirklich? Das habe ich mal gedacht? Als Jugendlicher habe ich meine Locken immer mit Gel in Form gebracht (oder zumindest in das, was ich als Form empfand). Ich weiß noch, wie mein Vater mir sagte: Kilian, lass es doch heute mal sein. Und ich dachte: Was hat er da gerade gesagt? Das bin ich, und ich bin mir ABSOLUT sicher, dass ich auch in seinem Alter und selbst als Opa noch Gel in den Haaren tragen werde. Es ist mir ein wenig peinlich, aber ich erinnere mich sehr genau an dieses Gefühl der absoluten Gewissheit: Nein, mein Vater hat sie nicht mehr alle! Nun, es dauerte nur wenige Jahre und ich änderte meine Meinung komplett. Seit ich in Kanada an kältesten Wintertagen das Gel (aus Gründen) aus meinen Haaren gelassen habe, ist nie wieder etwas hereingekommen, und heute denke ich: Wie konnte ich nur?