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21.01.2026
16:25 Uhr
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Der Autor Marko Martin feiert in den Clubs von Tel Aviv und trinkt in Dissidentenküchen. Wer ist der Mann, der den Bundespräsidenten zur Weißglut bringt? Ein Spaziergang

Der Verdacht taucht irgendwann auf, unauffällig wandert der Blick noch mal zur Seite: Könnte es sein, dass man gerade mit einer leibhaftigen Romanfigur unterwegs ist? Hier auf der Bernauer Straße in Berlin, wo einst zwischen Wedding und Prenzlauer Berg zwei Welten tödlich getrennt waren? Diese Romanfigur könnte als überall auftauchende Wiedergänger-Gestalt einem tschechischen oder polnischen Schelmenepos entstammen: Marko Martin heißt sie und ist ein glänzender und amüsanter Erzähler. Ob von den Bars in Havanna oder Clubnächten in Tel Aviv, ob vom verstorbenen Literatur-Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa und vom Philosophen André Glucksmann, mit denen er befreundet war, oder vom wütenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, zu dem wir noch kommen. Wenn man Martin in seinem milde sächsischen Idiom hier so zuhört im Mauerpark, wo uns einst Schüsse der Grenzposten zerfetzt hätten, dann glaubt man trotz der Weltlage für einen Moment wieder daran, dass Geschichte auch gut ausgehen kann. Was vielleicht auch daran liegt, dass Martin gerade Manès Sperber zitiert, den sträflich vergessenen österreichischen Schriftsteller und Grenzgänger des 20. Jahrhunderts: Die "kategorische Zurückweisung der Mutlosigkeit" war für Sperber entscheidender als die oft ja ziemlich labile Hoffnung.