Zeit 19.11.2025
16:04 Uhr

(+) "Lolita lesen in Teheran": Die Frauen auf der Leinwand könnten meine älteren Schwestern sein


Unser Autor wuchs im Iran auf und fragte sich bei jedem Buch: Ist es verboten? Der Film "Lolita lesen in Teheran" erinnert ihn an die heimliche Rebellion seiner Jugend.

(+)
Einer der fundamentalen Unterschiede zwischen einem islamischen Gottesstaat und einer weltlichen Diktatur besteht darin, dass Menschen im islamischen Autoritarismus selbst in den eigenen vier Wänden zu Straftätern werden können: weil sie westliche Serien schauen, selbst gekelterten Wein im Schrank haben, verbotenen Popsongs lauschen, weil sich ein unverheiratetes Paar unter demselben Dach aufhält. Oder weil man ein verbotenes Buch besitzt. Unter der Herrschaft der Islamisten ist die Liste immer noch lang – und so willkürlich, dass sich in beinahe jedem iranischen Haushalt ein paar verbotene, ehemals verbotene oder künftig verbotene Bücher finden lassen.