Zeit 17.02.2026
09:33 Uhr

(+) Lateinunterricht in Österreich: O tempora, o mores!*


Soll der Lateinunterricht in Österreich reduziert werden? Lieber ganz abschaffen, findet unsere Autorin. Und das aus guten Gründen.

(+) Lateinunterricht in Österreich: O tempora, o mores!*
Was für Jugenderinnerungen! Die nüchterne Propaganda Caesars über den Gallischen Krieg. Die Geschichte Didos, die sich, vergiftet von Liebe, in diese unheilvolle Beziehung mit dem trojanischen Flüchtling Aeneas stürzt. Die vielen unregelmäßigen Verben, sechs Fälle, affige Merksätze. Für all das habe ich Latein als Schülerin geliebt. Aber welcher Teenager nicht? Gut, das war mehr fictio als factum. Tatsächlich fallen mir beim Gedanken an den Lateinunterricht vor allem spektakuläre Schummelaktionen ein. (A posteriori: Entschuldigung, Frau Rosner!) Dennoch war ich felsenfest überzeugt, von Latein bis heute zu zehren. Für eine tote Sprache ist sie überraschend brauchbar: um Grammatik zu durchdringen, schlechte Ärzte zu verstehen, oder sei es nur, um bei den lateinischen Phrasen im Asterix-Comic wissend zu schmunzeln. Spanisch hätte ich nie so schnell gelernt, würde mir Latein als Grundlage fehlen. Dachte ich.